Ein Aufschwungsignal sieht anders aus
Bonjour Tristesse

Die Konjunkturoptimisten haben sich die Sache zu einfach gemacht: Das unerwartet schwache dritte Quartal 2004 redeten sie zu einem einmaligen Ausrutscher schön, auf den im nächsten Quartal ganz sicher die Fortsetzung der Konjunkturerholung folgen werde.

Tatsächlich lieferte das letzte Jahresviertel aber eine noch größere Enttäuschung. Die Optimisten blieben bei ihrer Argumentation: Die Zahlen seien durch Sondereffekte verzerrt, ab Januar gehe es endlich wieder aufwärts. Doch die Wirklichkeit, sie ist nicht so. Zumindest nicht nach Ansicht der Unternehmen. Deren Geschäfte sind seit Jahresbeginn nicht etwa besser, sondern von Monat zu Monat schlechter gelaufen, zeigt der Ifo-Index. Obwohl sich eine Reihe anderer Indikatoren zuletzt positiv entwickelt hat, fiel das Geschäftsklima auf den tiefsten Stand seit 18 Monaten. Das allein spricht zwar noch nicht für einen Konjunktureinbruch – ein Aufschwungsignal aber sieht wahrlich anders aus.

So viel ist sicher: 2005 wird konjunkturell zu einer echten Zitterpartie. Inzwischen kann man nicht einmal mehr mit Sicherheit ausschließen, dass die deutsche Wirtschaft doch wieder in die Stagnation zurückgefallen ist und sich der Aufschwung von Mitte 2003 bis Mitte 2004 als bloße Zwischenerholung erweist.

In jedem Fall wird immer wahrscheinlicher, dass sich selbst die gerade erst gesenkten Konjunkturprognosen als zu optimistisch erweisen. Denn bislang haben die Ökonomen ihre Prognosen nur deshalb reduziert, weil durch das schlechte vierte Quartal das Startniveau für 2005 geringer ausfällt. Sollte sich die Botschaft des Ifo-Indexes bestätigen und die Binnenwirtschaft weiter stocken, werden die Prognostiker auch ihre Erwartungen an den Konjunkturverlauf weiter nach unten schrauben müssen.

Dann wäre es nur eine Frage der Zeit, bis erneut der Ruf nach einem staatlichen Konjunkturprogramm ertönt. Nachdem der Stabilitätspakt aufgeweicht worden ist, steigt die Gefahr, dass die Regierung dieser Versuchung doch noch erliegen könnte. Das freilich wäre fatal. Wirtschaftspolitischer Interventionismus ist nicht Ausweg, sondern eine der Ursachen der deutschen Wachstumskrise.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%