Einschätzung der der Forschungsgruppe und Infratest Dimap
Wahlanalyse: FDP profitierte von Koalitionsdebatte

Das zweistellige Ergebnis der FDP und die daraus resultierenden Verluste für die Union basieren nach Einschätzung der Forschungsgruppe Wahlen vor allem auf den jüngsten Spekulationen über eine große Koalition.

HB BERLIN/MANNHEIM. Zum Schluss des Wahlkampfes hätten nur noch 40 Prozent der Wahlberechtigten eine Koalition aus Union und SPD gut gefunden, erläuterten die Demoskopen am Sonntagabend. 45 Prozent fanden sie schlecht. Anfang September wurde dies noch umgekehrt bewertet.

Da wegen des erwarteten knappen Wahlausgangs eine große Koalition im Bereich des Möglichen lag, entschieden sich viele Wähler aus dem bürgerlichen Lager für die FDP, um durch ihre Stimme eine große Koalition nicht zu unterstützen. So hätten 41 Prozent der FDP - Anhänger angegeben, dass ihnen eigentlich die CDU/CSU besser gefällt als die FDP. Im linken Lager habe dies - wenn auch in geringerem Maße - für die Grünen gegolten.

Die Wähler haben Rot-Grün abgewählt, aber nicht für einen vollständigen Wechsel gestimmt, analysierte die Forschungsgruppe. In der Woche vor der Wahl hätten sich nur noch 52 Prozent dafür ausgesprochen, dass jetzt andere Parteien im Bund an die Regierung kommen sollen. 43 Prozent sprachen sich dagegen aus.

Ausschlaggebend für die klaren Stimmenverluste der SPD sei vor allem die hohe Unzufriedenheit mit der Arbeit der Bundesregierung. Sie wurde auf einer Skala von minus 5 bis plus 5 mit minus 0,5 bewertet. Bei der Wahl 2002 hatte Rot-Grün noch eine Bewertung von plus 0,5 erhalten. Entsprechend deutlich wurde auch eine Neuauflage einer rot-grünen Regierung abgelehnt: Schlecht fänden dies 48 Prozent, nur 35 Prozent fänden ein solches Ergebnis gut, dem Rest wäre es egal.

Für den Wahlverlust der SPD waren auch die hohen Kompetenzeinbußen der Partei verantwortlich: Der Union war in zentralen Bereichen wie Wirtschaft und Schaffung von Arbeitsplätzen bereits 2002 mehr zugetraut worden als der SPD. Bei der Wahl am Sonntag vergrößerte sich der Abstand zur SPD dann nochmals: So trauten beispielsweise 42 Prozent der Union mehr beim Thema Arbeitsplätze zu, nur 20 Prozent der SPD. Außerdem konnte die Union die Problemlösungskompetenz bei den Themen Zukunft, Finanzen und Renten klar zu ihren Gunsten verschieben.

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