Einzelhandel: Sankt Florian

Einzelhandel
Sankt Florian

Behüt’ mein Haus, steck andere an!“ Das Stoßgebet an den heiligen Florian könnte der Einzelhandel ersonnen haben. Dieser Politik bleiben die Einzelhändler auch beim Thema Flächenexpansion treu.

Behüt’ mein Haus, steck andere an!“ Das Stoßgebet an den heiligen Florian könnte der Einzelhandel ersonnen haben. So viel an sich selbst und so wenig an die eigene Branche dachten Deutschlands Krämer wohl noch nie. Um Wettbewerbern ein Schnippchen zu schlagen, holten die Ersten von ihnen – offenbar in naivem Selbstvertrauen – schon vor Weihnachten den Rotstift heraus und bliesen zum vorgezogenen Winterschlussverkauf. Was folgte, ist bekannt: Wie die Lemminge zogen Warenhäuser, Fachmärkte, Boutiquen und Tante-Emma-Läden nach. Rabattaktionen von bis zu 30 Prozent über das gesamte Sortiment blieben keineswegs ein Einzelfall.

Das böse Erwachen kam beim Kassensturz: Der Weihnachtsumsatz sank 25 Prozent unter das Vorjahresniveau. Schlimmer noch: Das Vertrauen der Verbraucher in eine faire Preisgestaltung des Handels ist dahin. Wer lange genug wartet, so das Kalkül vieler Kunden, findet die gewünschte Ware irgendwann zum Schnäppchenpreis. Große Anschaffungen, das hat der Handel inzwischen bitter erfahren müssen, werden deshalb immer mehr hinausgezögert. Mit Wehmut erinnert sich nun schon mancher Kaufmann wieder an jene Zeiten, in denen der Staat den Handel per Rabattgesetz noch vor sich selbst schützte.

Ihrer Sankt-Florians-Politik bleiben die Einzelhändler auch beim Thema Flächenexpansion treu. Dass es in Deutschland doppelt so viel Verkaufsraum pro Einwohner gibt wie in Großbritannien, Frankreich oder in Italien, rangiert im Repertoire der Klagen aus dem Handel auf Platz eins. Handelskonzerne wie Mediamarkt, Rewe oder Douglas haben daraus längst ihre Strategie abgeleitet: Offensiv begegnen sie der wachsenden Konkurrenz – mit der Eröffnung neuer Läden. cs

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