Emissionshandel
Kommentar: Zwischen den Klippen

Schiffe sind keine Umweltfreunde. Die wachsende Flotte von Frachtern, Tankern und Kreuzfahrtschiffen bläst so viel klimaschädliches CO2 in die Luft wie der gesamte Flugverkehr. Und ihr Ausstoß an Schwefeldioxid und Stickoxiden ist noch viel höher. Doch niemand hat die Schifffahrtsbranche bisher in die Pflicht genommen. Während die Politik für Autos, Flugzeuge und Industrie stetig strengere Grenzwerte beschließt, hat der Schiffsverkehr bei Klimaschutz und Luftreinhaltung einen Freifahrschein. Dass die EU dies ändern will, verdient Applaus. Die internationalen Gremien der Seeschifffahrt haben das Problem zu lange tatenlos vor sich hergeschoben. Es gibt keinen Grund dafür, warum der Flugverkehr in den Emissionshandel einbezogen werden soll, der Schiffsverkehr aber nicht.

Von der Theorie zur Praxis ist der Weg aber noch weit. Denn der EU-Emissionshandel umfasst bisher nur das Treibhausgas CO2. Das viel größere Problem bei Schiffen sind aber Schwefel- und Stickoxide. Laut einer aktuellen Studie produziert der Schiffsverkehr mehr Schwefeldioxid als alle Autos auf der Welt zusammen. In den Häfen, wo die Schiffsmotoren zur Stromerzeugung einfach weiterlaufen, ist das die eigentliche Gesundheitsgefahr. Zudem stellt sich die Frage, wie die EU die Emissionszertifikate an die Eigner verteilen will, die zu 90 Prozent aus Entwicklungsländern mit oft so zweifelhaftem Ruf wie Nigeria kommen. Offen ist auch, ob die internationalen Schifffahrtsregeln einen Alleingang der EU überhaupt zulassen. Dass Europas Reeder Handlungsbedarf anerkennen, macht der EU die Sache zwar leichter. Dennoch muss sie noch viel Phantasie in das Projekt Emissionshandel investieren, will sie damit nicht untergehen wie ein leckgeschlagener Kahn.

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