Endesa-Übernahmeschlacht
Kommentar: Kein Schrecken ohne Ende

Am Ende hat doch noch die Vernunft gesiegt. Eon-Chef Wulf Bernotat hat endlich eingesehen, dass er den Kampf um den spanischen Versorger Endesa nicht gewinnen kann. Zu groß waren die Widerstände in der Politik und zu groß war der Druck, den die Konkurrenten Enel und Acciona zuletzt aufgebaut haben. Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende – selten war die Redensart so passend wie im Fall Endesa. Bernotat hat letztlich noch eine für Deutschlands größten Energiekonzern vertretbare Lösung herausgeholt, er selbst hat das spanische Abenteuer aber nur mit deutlichen Blessuren überstanden.

Dem Eon-Chef ist nicht wie geplant der ganz große Wurf gelungen. Seine vollmundige Ankündigung, mit einem Schlag zum führenden Energiekonzern der Welt aufzusteigen, der 50 Mill. Kunden von Lateinamerika bis Osteuropa versorgt, kann Bernotat nicht einhalten. Der Kompromiss, den er den beiden Kontrahenten abgerungen hat, als schon alles komplett verloren schien, ist aber durchaus respektabel. Eon hat sich nun in Spanien, Frankreich und Italien eine gute Ausgangsbasis geschaffen.

Vor allem aber wäre eine Fortsetzung der Hängepartie, die sich schon über ein Jahr und einen Monat lang hingezogen hat, nicht zu vertreten gewesen. Ein Schwergewicht wie Eon kann es sich nicht leisten, sich zu lange mit einem riskanten Projekt zu binden.

Der sture Kampf um Endesa hat dem Image des Machers aber tiefe Kratzer beigefügt. Bernotat, der sich in den ersten Jahren seiner Amtszeit am Finanzmarkt den Ruf des kühlen Rechners verdient hatte, verbiss sich in sein Prestigeobjekt so sehr, dass er mit immer neuen Offerten an die Grenze der Rentabilität ging.

Selbst Schuld

Vor allem aber hat er sich das Scheitern seiner Pläne zu einem großen Teil selbst zuzuschreiben. Sicher, die Vehemenz, mit der sich die spanische Regierung gegen den Einstieg des deutschen Konzerns bei ihrem Vorzeigeunternehmen stemmte, ist beispiellos. Bernotat hat den Widerstand der Politik aber komplett unterschätzt und mit seiner Offerte die Regierung, die damals noch ein konkurrierendes Gebot des heimischen Versorgers Gas Natural unterstützte, geradezu brüskiert. Bis zuletzt gelang es dem erfahrenen Manager nicht, der Regierung die Vorbehalte zu nehmen. Allzu lang verließ er sich nur auf die Gesetze des Marktes, statt auf die Regierung entscheidend zuzugehen.

Schlecht beraten war der promovierte Jurist auch über das zugegeben antiquierte spanische Übernahmerecht. Während seine Offerte selbst monatelange durch den Streit mit Aufsichtsbehörden feststeckte, kauften sich Enel und Acciona klammheimlich Anteile zusammen. Eons Rivalen agierten zwar stets am Rande des Zulässigen, aber letztlich mit Erfolg.

Und schließlich ist Bernotat noch immer in der unangenehmen Situation, in der er zu Beginn des Kampfs um Endesa gewesen ist: Er sitzt auf einer prall gefüllten Kasse. Die Aktivitäten, die er den Konkurrenten abringen konnte, sind zwar zehn Mrd. Euro wert. Bis er die Zukäufe vollziehen kann, werden aber weitere Monate vergehen. Eine lange Zeit, in der Eon selbst zum Übernahmeziel werden könnte. Ins Beuteschema von Finanzinvestoren würde der Konzern jedenfalls allzu gut passen.

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