Energiebranche
Kluge Wahl

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Das Image der Energiebranche könnte kaum miserabler sein. Nun soll es der ehemalige Deutschland-Chef von McKinsey, Jürgen Kluge, aufpolieren. Er steht vor einer Herkulesaufgabe.

Die strukturellen Probleme sind seit langem bekannt: Die Verbandslandschaft ist nach wie vor unübersichtlich. Zwar gibt es mit dem Bundesverband der Energiewirtschaft (BDEW) eine neue große Dachorganisation. Unterhalb dieser Ebene tummeln sich jedoch nach wie vor viele kleine Gruppen mit teilweise gegensätzlichen Interessen. Auch Kluge wird es schwer haben, aus den unterschiedlichen Strömungen eine große Linie zu formen. Erleichtert wird seine Arbeit allerdings dadurch, dass gleichzeitig mit seiner Wahl eine Konstruktionsschwäche des BDEW ausgemerzt werden soll: Der Verzicht auf eine Doppelspitze mit zwei ehrenamtlich tätigen Präsidenten kann den Verband nur stärken.

Die inhaltlichen Ursachen für den Ansehensverlust der Unternehmen sind nicht minder gravierend: Tatsächlich nutzen die Unternehmen ihre Marktmacht, um an Gewinnen rauszuholen, was noch gerade rauszuholen ist. Damit haben sie nicht nur die Verbraucher gegen sich aufgebracht. Auch die Politik ist längst misstrauisch – und hat beispielsweise mit einer Verschärfung des Kartellrechts gegengesteuert. Kluge wird stark nach innen wirken müssen, um die Unternehmen davon zu überzeugen, dass mehr Fingerspitzengefühl im Umgang mit Politik und Kunden erforderlich ist.

Ohne Frage gehört Kluge zu den wenigen, denen es gelingen könnte, die Branche aus der Krise zu führen. Er weiß, dass er der Politik als verlässlicher Ansprechpartner dienen muss. Er weiß, dass er gute Argumente braucht, um den Verbrauchern das Gefühl zu nehmen, sie würden von den Konzernen gnadenlos abgezockt. Es wird Kluge helfen, dass er nicht aus der Branche kommt. Denn wer glaubt heute noch einem Energiemanager?

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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