Energienetze
Fauler Kompromiss

Mehr Wettbewerb in der Energiewirtschaft will die EU. Aber sie weiß nicht wie. Die Unternehmen sollten die Initiative ergreifen.
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Nach über zwei Jahren Streit über die Energienetze ist die Verwirrung perfekt. Ob und wie die großen Versorger die Kontrolle über ihre Strom- und Gasnetze abgeben müssen, ist immer noch unklar. Es droht ein fauler Kompromiss, der keinem nützt - weder dem Wettbewerb noch den Unternehmen, die Sicherheit für ihre Investitionen wünschen.

Es werden verschiedene Wege diskutiert, den Einfluss der Versorger auf die Strom- und Gasnetze zu beschränken: Abtrennen und Verkaufen, Abtrennen und Behalten und Mischformen dazwischen. Die Energieminister der EU-Mitgliedstaaten haben sich nach zähem Gerangel darauf geeinigt, sich nicht festzulegen. Immerhin ist klar: Sie möchten Alternativen zur von der EU-Kommission gewünschten strikten Trennung von Produktion und Netz erlauben. Das EU-Parlament lehnt aber den Weg, bei dem die Versorger die Kontrolle weitgehend behalten dürfen, weiter ab. Vermutlich wird dem Kompromiss, den die Minister ausgehandelt haben, daher ein zweiter Kompromiss folgen.

Für die Unternehmen bedeutet das Gerangel eine anhaltende Unsicherheit. Dem auf Ministerebene ausgehandelten Kompromiss misstrauen viele Branchenvertreter. Sie fürchten bei den Detailverhandlungen Klauseln, die einer Zerschlagung gleichkommen.

Die deutschen Energiekonzerne sollten deshalb in die Offensive gehen und die Pläne für eine gemeinsame Netz AG vorantreiben, in der sie zwar unternehmerischen Einfluss auf Investitionen und Management behalten, kein Unternehmen aber einen beherrschenden Einfluss hat.

Das wäre zwar auch ein Kompromiss, aber einer, mit dem die Branche leben könnte und der dem Wettbewerb wirklich nützt. Und er könnte die Grundlage bieten, um die langwierige politische Debatte endlich zu beenden.

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