Energiepolitik
Unterschätztes Potenzial

Wenn Journalisten einen Politikerstreit anzetteln wollen, gibt es einen Reflex, auf den sie sich hundertprozentig verlassen können:Glos, Stoiber und Oettinger werden immer fordern, die Atomkraftwerke länger in Betrieb zu halten; Gabriel, Machnig und Kelber werden dies immer ablehnen. Fertig ist die Kontroverse.

Leider überschattet die Dauerdebatte andere wichtige Themen, etwa die Steigerung der Energieeffizienz. Beim gestrigen Energiegipfel stand dieser Punkt ganz oben auf der Tagesordnung. Doch davon wollte kaum jemand etwas wissen. Das Thema wird maßlos unterschätzt.

Seriösen Berechnungen zufolge lässt sich der Primärenergieverbrauch Deutschlands bis zum Jahr 2020 gegenüber 2005 ohne Probleme um über zwanzig Prozent senken – bei gleichzeitigem wirtschaftlichem Wachstum und ohne irgendeinen spürbaren Komfortverlust für jeden Einzelnen.

Allerdings ergibt sich eine Steigerung der Energieeffizienz nicht von allein. Die gestiegenen Energiepreise lösen zwar beachtliche Anstrengungen zur Effizienzsteigerung aus. Doch diese werden nicht ausreichen. Die Bundesregierung muss langfristige Konzepte erarbeiten. Das auf dem Energiegipfel vorgelegte „Aktionsprogramm Energieeffizienz“ weist in die richtige Richtung. Es greift erprobte Maßnahmen wie das CO2-Gebäudesanierungsprogramm auf, setzt auf die Weiterentwicklung der KFZ-Steuer und die Definition von Mindeststandards für die Energieeffizienz von Produkten. Alles in allem lässt sich daraus ein Paket schnüren, das niemanden stranguliert, den Energieverbrauch aber spürbar senken kann.

Entscheidend ist ein langer Atem. Die Effizienzsteigerung ist ein langwieriger Prozess. Vielleicht ist sie von der Politik deshalb bislang nur halbherzig verfolgt worden. Wenn der Energiegipfel daran etwas geändert haben sollte, wäre er doch noch als Erfolg zu betrachten.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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