Engelhard-Übernahme
BASF kann warten

Und auch der Hinweis vom Engelhard-Vorstand, die Fortführung der eigenen Geschäftsstrategie werde dem Unternehmen ab 2007 jährliche Kosteneinsparungen von 15 Mill. Dollar einbringen, überzeugt nicht so richtig. Die 26 Millionen Aktien, die Engelhard im Rahmen eines Aktienrückkaufprogramms für 45 Dollar je Anteilsschein seinen Eigentümern abnehmen will, stellen etwa ein Fünftel der im Umlauf befindlichen Aktien dar. Die inzwischen auf 38 Dollar erhöhte Offerte von BASF sieht das Engelhard-Management damit immer noch als zu niedrig an. 45 Dollar sollten es schon sein, so die Botschaft.

BASF könnte jetzt spöttisch anmerken, dass es schon mal ganz hilfreich wäre, wenn Engelhard selbst 20 Prozent der Aktien kauft. Das braucht BASF dann schon mal nicht mehr zu tun. Die restlichen 80 Prozent werden damit natürlich wertvoller. Aber in Summe erhöht sich damit der Wert von Engelhard schon mal gar nicht. Schließlich sind die verbleibenden 80 Prozent für 45 Dollar je Anteil unter dem Strich sogar preiswerter als 100 Prozent zu 38 Dollar. BASF müsste dann nur noch 4,6 Mrd. Dollar statt 4,9 Mrd. Dollar ausgeben.

Aber so kann man natürlich nicht rechnen. Wenn Engelhard meint, eine Aktie wäre 45 Dollar wert, so macht das unter dem Strich 5,9 Milliarden Dollar für den gesamten Konzern aus. Und das sind dann schon 900 Mill. Dollar mehr als BASF bisher bereit ist auszugeben. Wie man auch rechnet, der Engelhard-Vorstand spielt jedenfalls ein gefährliches Spiel. Was passiert, wenn mehr als 20 Prozent der Aktionäre gerne zu 45 Dollar verkaufen würden? Können die anderen dann klagen, wenn sie nicht zum Zuge kommen? Schließlich kann und darf sich BASF auch noch ganz einfach zurückziehen. Oder BASF wartet einfach ab und erhöht damit den Druck auf Engelhard.

Das würde zwar die Glaubwürdigkeit und die Durchsetzungsfähigkeit der Ludwigshafener bei künftigen Übernahmeabsichten nicht gerade verbessern, aber das wäre verkraftbar. Vielleicht wird das sogar als Stärke ausgelegt, weil die Controller von BASF in der Lage sind, sehr genau zu rechnen. Viel schwer fällt da schon ins Gewicht, dass BASF mit seiner gut gefüllten Kriegskasse Anlagemöglichkeiten sucht. Und so aussichtsreiche und sinnvolle Anlagemöglichkeiten bieten sich halt nicht alle Tage.

Vieles an diesem Deal erinnert an die einstige Übernahmeschlacht um Mannesmann. Erst als Vodafone dem einstigen Management von Mannesmann üppige persönliche Abfindungen in Aussicht stellte, ging der Handel durch.

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