Eni kauft Yukos-Reste
Kommentar: Schönes Schauspiel

Der zweite Akt im Schauspiel um die Zerlegung von Yukos ist zu Ende. Ähnlich wie im vorangegangenen hat sich ein westlicher Energiekonzern als Mitspieler eingefunden, der bereit ist, der festgelegten Auktions-Dramaturgie zu folgen. Das Regieteam um Kremladministration, Yukos-Konkursverwalter sowie Gazprom und Rosneft wird es danken.

Anders als TNK-BP vor einer Woche, wurde der italienische Energiekonzern Eni direkt fürstlich entlohnt. Aus der Konkursmasse von Yukos fiel Eni zu einem Discountpreis ein 20-prozentiges Aktienpaket der Gazprom-Tochter Gazprom Neft zu sowie lukrative Gasfördereinheiten in die Hände. TNK-BP musste sich mit der Rolle des Statisten begnügen, damit der Staatskonzern Rosneft zuschlagen konnte. Dafür darf das russisch-britische Gemeinschaftsunternehmen dann in Zukunft mit etwas mehr politischem Wohlwollen in Russland rechnen.

Die Motive der westlichen Akteure sind durchaus verständlich: TNK-BP steht in Russland selbst mit dem Rücken an der Wand und kommt bei einem seiner wichtigsten Projekte – dem Gasfeld Kowykta – nicht voran. Eni wiederum sichert sich mit dem Zugriff auf Fördereinrichtungen in Russland neue Reserven. Sicherlich werden die Italiener nicht auf der gesamten Beute sitzen bleiben dürfen: Sie haben Gazprom schon einen Teil des Kuchens angeboten.

Für das russische Regieteam ist das Schauspiel heute schon ein großer Erfolg: Es verleiht dem Ende von Yukos einen legalen Anstrich. Dass die Welt darin aber nur ein Theaterstück sieht, scheint nicht zu kümmern.

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