Eon-Aufspaltung
Teyssen hat zu spät geschaltet

Der Energieversorger Eon und seine Führung haben die Zeichen der Zeit zu spät erkannt. Die früheren Ertragsstars des Konzerns auszugliedern, kommt einem Schuldeingeständnis gleich. Ein Kommentar.
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Eon betreibt die Kernspaltung: Der Energiekonzern will das herkömmliche Geschäft mit der Stromerzeugung von der erneuerbaren Energie, den Netzen und den Kundendiensten trennen. Und – da geht offenbar jemandem ein Licht auf – das Hauptgeschäft ist nicht das herkömmliche, sondern Eon setzt aufs Zukunftsgeschäft. Der Rest wird als eine Art Bad Bank des Energiekonzerns gutwilligen Aktionären angeboten.

Der Verstoß des Geschäfts mit der konventionellen Stromerzeugung ist zwar nicht einzigartig. Konzernchef Teyssen ist nicht besonders originell, aber er ist radikal. Auch EnBW-Chef Frank Mastiaux hat angekündigt, dass die alten Energien bis 2020 nur noch einen marginalen Anteil am Ergebnis des Versorgers haben werden. Auch bei Vattenfall will man sich zumindest vom schwächelnden Braunkohlegeschäft in Deutschland trennen. Keiner geht jedoch so weit wie Teyssen. Was er macht, hört sich an wie das Schuldbekenntnis eines Angeklagten: Ja, Herr Richter, ich habe die Entwicklung zu spät gesehen. Ja, ich habe ihre Folgen zu lange unterschätzt, ja – wir machen unseren Ertragsstar von gestern zur Bad Bank von morgen.

Der Konzern weiß bereits seit 14 Jahren, als die damals rot-grüne Bundesregierung den Atomausstieg beschloss, dass sein altes Geschäftsmodell ein Auslaufmodell ist. Auch die Strategie zur Treibhausgasreduzierung der Klimakanzlerin Angela Merkel ist seit vielen Jahren bekannt – dass es früher oder später auch den Kohlekraftwerken an den Kragen geht, hätten sich die Energieversorger ausrechnen können.

Passiert ist dennoch nicht viel. Statt am dank Milliardensubventionen nahezu todsicheren Geschäft mit Wind- und Solarkraft mitzuverdienen, baute Teyssen lieber Stellen ab. Zwar wird inzwischen fast 18 Prozent des Stroms von Eon mit Erneuerbaren erzeugt, davon überwiegend mit Wasserkraft, der Großteil kommt jedoch noch immer aus den konventionellen Bereichen, Kohle, Atom, Erdgas.

Teyssen ist seit vielen Jahren in der Führung des Konzerns, seit zehn Jahren sitzt er im Vorstand der Eon SE, von 2008 bis 2010 als die Nummer Zwei hinter Konzernchef Wulf Bernotat, den er schließlich vor vier Jahren ganz ablöste. Er hätte die Zeichen der Zeit früher erkennen müssen.

Statt in den Abbau des großen Schuldenbergs des Konzerns zu investieren, schüttete Teyssen lieber teils überdurchschnittliche Dividenden aus. Noch im Jahr 2011, dem Jahr der Fukushima-Katastrophe und des radikalen Atommoratoriums der Bundesregierung, betrug die Ausschüttungsquote gemessen am nachhaltigen Konzernüberschuss 76 Prozent.

Fraglich ist, was die Ausgliederung der konventionellen Sparte für die Stromversorgung in Deutschland bedeutet. Noch beteuert die Konzernführung zwar, dass die Aufspaltung „kein Programm zum Abbau von Arbeitsplätzen“ ist. Doch wie lange kann sich ein Bereich halten, deren Ertragsbringer immer öfter abgeschaltet bleiben?

Einen Trumpf hat Eon noch: Versorgungssicherheit. Durch die Schwankungen der Erneuerbaren Energien – mal scheint die Sonne nicht, mal weht wenig Wind – werden die konventionellen Kraftwerke auch in den nächsten Jahrzehnten noch gebraucht werden, vor allem im Süden Deutschlands. Teyssen könnte dank der neuen Struktur mehr Druck auf die Regierung ausüben, die konventionelle Stromversorgung finanziell zu unterstützen. Bei seinen Gaskraftwerken war er da schon im Kleinen erfolgreich. Dennoch ist sein Schachzug jetzt eine Notlösung kurz vor dem Matt. Eine Strategie hätte anders ausgesehen.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • In Anbetracht der nicht grundlastfähigen, expandierenden EE hat schon vor über einem Jahr die EON der Regierung angeboten schnellreagierende schadstoffarme Gaskraftwerke zu bauen. Da diese nicht voll ausgelastet wären, müsse man sich noch über die Vergütung einigen. Unsere weitdenkende damalige Regierung hat abgelehnt.
    Und nun haben wir auf unbestimmte Zeit die grundlastfähigen, aber langsamreagierenden, abgasreichen Kohlkraftwerke an der Backe.
    Wer meint die EE im großen Umfang und in absehbarer Zeit speichern zu können ist ein unrealistischer Träumer.
    Leider!
    Man hat den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht, da kommt man leicht ins Straucheln.
    Mit allen zukünftigen Folgen und deren Kosten.

    Schönen Tag noch.

  • "Auch die Strategie zur Treibhausgasreduzierung der Klimakanzlerin Angela Merkel ist seit vielen Jahren bekannt"
    Dass Frau Merkl eine Klimakanzlerin ist, kann man wohl nur als Witz aus dem grün-schwarzen Marketing bezeichnen.
    Wir erinnern uns: Nach der Wende hat sie die massive Deindustrialisierung Ostdeutschland als Klimawende verkauft. Die 18% CO2 Reduktion damals hat sie mit über 20% Arbeitslosigkeit erkauft! Warum bezeichnet man sie nicht eher als Arbeitslosenkanzlerin, das würde die Prioritäten eher treffen. In den letzten Jahren hat dafür die CO2 Emission zugenommen und Platz 2 in Europa erreicht. Und das gerade wegen der verkorksten merkelschen EEG- und ihrer sogenannten Klimapolitik.

    "Der UN-Klimaschutzbericht entlarvt die deutsche Ökostrom-Förderung als nutzlos. Das hat niemand gemerkt. Denn die Regierung hat die Aussagen in der offiziellen Zusammenfassung grob verfälscht."
    http://www.welt.de/wirtschaft/article128124861/Die-dreiste-Berichtsfaelschung-der-Klimatrickser.html

    Und das HB hat es nötig, weiter unkritisch Merkl Propaganda zu betreiben!

  • Ist denn Herr Marc Hofmann in Urlaub oder glaubt er sein Märchen vom billigen Atomstrom nicht mehr?

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