Eon - Endesa: Im Wespennest

Eon - Endesa
Im Wespennest

Der deutsche Versorger Eon präsentierte zwar zu einem günstigen Zeitpunkt sein wegen der finanziellen Attraktivität hoch gelobtes freundliches Übernahmeangebot für Spaniens größten Versorger Endesa. Aber bei aller Planung waren sich die Deutschen wohl nicht bewusst, dass sie sich damit in ein politisches Wespennest gesetzt haben.

Deutsche Unternehmen werden in Spanien vor allem wegen ihrer detaillierten Planung geschätzt. Aber der Fall Endesa zeigt, dass im Leben nicht alles planbar ist. Der deutsche Versorger Eon präsentierte zwar zu einem günstigen Zeitpunkt sein wegen der finanziellen Attraktivität hoch gelobtes freundliches Übernahmeangebot für Spaniens größten Versorger Endesa. Aber bei aller Planung waren sich die Deutschen wohl nicht bewusst, dass sie sich damit in ein politisches Wespennest gesetzt haben.

Auch wenn Spaniens Regierungen, egal welcher Couleur, immer wieder Gegenteiliges propagieren, so ist die Wirtschaft alles andere als frei von politischem Einfluss. Wichtige Posten in den Konzernen werden immer noch in Übereinstimmung mit der gerade regierenden Partei getroffen.

Zwar glaubt Eon, dass ihr aus marktwirtschaftlicher Sicht einwandfreies Angebot letztlich von der Regierung in Madrid nicht blockiert werden kann. Aber die Kampagne gegen den Angriff läuft schon auf Hochtouren, auch wenn die Waffen noch nicht bekannt sind. Man will nicht nur einen strategisch wichtigen Sektor in eigenen Händen behalten, es geht vor allem um Innenpolitik.

Im September letzten Jahres hat der Versorger Gas Natural in Absprache mit Spaniens Industrieminister José Montillas eine feindliche Übernahme von Endesa lanciert. Das wesentlich kleinere Unternehmen hat seinen Sitz in Katalonien und wird von der dortigen Sparkasse La Caixa kontrolliert. Ihr Präsident Ricard Fornesa träumt seit langem von einem großen Energiekonzern auf katalanischem Boden. Montilla, ebenfalls Katalane, hat er auf seiner Seite. Der sozialistische Premier José Luis Rodríguez Zapatero rechtfertigt die beim Volk und der Opposition umstrittene Verbindung beider Versorger unterdessen damit, dass damit ein nationaler Champion geschaffen werde. Gemäß der Kundenzahl wäre Endesa/Gas Natural der drittgrößte Versorger der Welt.

Aber seine immer zahlreicheren Kritiker wissen, dass der Faktor Katalonien in Zapateros Kalkül weit mehr wiegt. Denn seit Ende der Diktatur strebt die wirtschaftlich bedeutende spanische Region offen nach mehr Unabhängigkeit von der Zentralregierung. Barcelona und Madrid kämpfen um jede Investition, weil Katalonien seit Jahren unter einer starken Industrieabwanderung leidet. Die Regionalregierung sucht nach neuen Alternativen, um die fehlenden Investitionen und wegfallenden Arbeitsplätze auszugleichen.

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