Eon/Endesa
In die Enge getrieben

Vor nicht einmal einem Jahr hat Eon-Chef Wulf Bernotat die Finanzmärkte mit einem ungewöhnlichen Schritt überrascht. Der deutsche Energiekonzern unterbreitete dem britischen Konkurrenten Scottish Power ein milliardenschweres Angebot.

Dessen Management forderte mehr, aber Bernotat ließ sich erst gar nicht auf taktische Spielchen ein, sondern brach die Verhandlungen in einem frühen Stadium ab. Die vermeintliche Niederlage wurde am Finanzmarkt als Zeichen der Stärke gewertet: Bernotat lässt sich nicht unter Druck setzen und im Gegensatz zu vielen seiner Amtskollegen nicht auf prestigeträchtige, aber überteuerte Übernahmen ein.

Und jetzt? Bernotat zeigt im Kampf um den spanischen Versorger Endesa Nerven. Nachdem der Mischkonzern Acciona überraschend ein großes Aktienpaket aufkaufte, reagierte er überhastet und stockte seine Offerte innerhalb eines Tages von 25,4 auf stolze 35 Euro je Aktie auf. Eon bietet jetzt 37 Mrd. Euro – so viel hat noch nie ein europäisches Unternehmen bar für eine Übernahme auf den Tisch gelegt.

Der Energiemanager geht ein großes Risiko ein und setzt vor allem seinen guten Ruf an den Finanzmärkten aufs Spiel. Bernotat selbst hat die Messlatte schließlich hoch gelegt und strikte Finanzkriterien ausgegeben. Ein Zukauf muss schon im ersten vollen Jahr den Ertrag des Gesamtkonzerns verbessern, die Rendite muss spätestens nach drei Jahren über den Kapitalkosten liegen, und das neue Unternehmen darf vor allem nicht die ehrgeizigen Renditeziele von Eon gefährden.

Die Rechnung kann im Fall Endesa noch aufgehen. Der spanische Strom- und Gasmarkt hat überdurchschnittliche Wachstumsraten, der größte Energiekonzern des Landes fügt der Eon-Landkarte neue Versorgungsgebiete hinzu und prognostiziert kräftig steigende Gewinne.

Allerdings müssen die optimistischen Wachstumserwartungen auch aufgehen. Sicher ist das nicht: Auch in Spanien werden ständig neue Regeln für den Energiemarkt erarbeitet, die die üppigen Gewinne der Versorger beschneiden sollen. Erhoffte Synergien im Konzern werden nur eintreten, wenn der europäische Energiemarkt tatsächlich zusammenwächst. Das starke Standbein in Lateinamerika, das Eon erwerben würde, lockt zwar mit hohen Wachstumsraten, der Markt ist aber völliges Neuland für das Eon-Management und birgt viele Risiken.

Dabei ist der Übernahmekampf noch gar nicht entschieden. Eventuell muss Bernotat sogar noch tiefer in die Tasche greifen, wenn er eine Niederlage abwenden will. Die Rentabilität des Investments stünde dann endgültig in Frage. Der Gegner Acciona pokert hoch. Der Konzern versucht offenbar, weitere spanische Investoren zu Aktienkäufen zu ermutigen, um Eon den Einstieg zu erschweren. Gemeinsam könnten sie versuchen, die von Eon geforderte Änderung der Satzung abzuwehren. Eon will die Stimmrechtsbeschränkung auf zehn Prozent aufheben. Über die Motive von Acciona lässt sich nur spekulieren. Vielleicht geht es um Einfluss bei Endesa, wahrscheinlich will der Konzern aber nur Kasse machen. Bei 35 Euro hätte er schon über 300 Mill. Euro eingestrichen, und eventuell erreicht er ja einen Nachschlag.

Noch steht auch die Entscheidung der Energieaufsichtsbehörde CNE aus. Die EU-Kommission fordert zwar, dass Spanien die Blockadehaltung aufgibt und die gegen Eon verhängten Auflagen kippt. Aber wird die CNE der Forderung auch ohne Wenn und Aber nachkommen? Oder muss Eon doch die eine oder andere Kröte schlucken?

Und schließlich gibt sich der – wenn auch ungleiche – Gegner im Bieterwettstreit, Gas Natural, noch nicht geschlagen, hat das Endesa-Management noch immer nicht klar Position bezogen. Während CEO Rafael Miranda Eons Pläne früh begrüßte, versucht Chairman Manuel Pizarro den Konzern noch immer unabhängig zu halten oder zumindest den Kurs anzuheizen. Bernotat aber sitzt in der Sackgasse: Mit seinem neuen Gebot hat er sich weit aus dem Fenster gelehnt. Im Gegensatz zu Scottish Power kann er den Rückzug nur noch unter Gesichtsverlust antreten. Mit einer erneuten Aufstockung der Offerte käme er in Erklärungsnot. Und sollte er sich letztlich nicht gegen Acciona durchsetzen, hätte sein Image einen schweren Kratzer bekommen.

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