Eon/Endesa
Nichts ist gut

So einfach ist das also. Man tausche den zuständigen Minister aus – und schon ist einer der größten Zankäpfel Europas vom Tisch. So geschehen in Spanien.

Der personelle Wechsel im Amt des Industrieministers hat offenbar den Weg frei gemacht für die Super-Fusion in der europäischen Energiebranche. Die deutsche Eon wird den spanischen Endesa-Konzern übernehmen dürfen, schenkt man den jüngsten Äußerungen des spanischen Regierungschefs Zapatero Glauben. Ende gut, alles gut?

Keineswegs! Die Vorgänge um die geplante Endesa-Übernahme machen deutlich, dass von freien Märkten innerhalb der Gemeinschaft noch lange keine Rede sein kann. Den Unternehmen werden weiter Steine in den Weg gelegt, wo es nur geht, um selbige dann mit großem politischem Tamtam wieder aus dem Weg zu räumen. Akzeptiert ist, dass bei strategisch wichtigen Branchen oder Firmen der Staat das letzte Wort haben darf. Regierungen wie die in Spanien definieren aber offenbar nach Gusto, was strategisch von Bedeutung ist. Wenn aber schon Kohlekraftwerke, die Eon nach den bisher gültigen Auflagen abgeben soll, darunter fallen, dann fragt man sich, warum nicht gleich das ganze Stromnetz unter Kuratel gestellt wird.

Unsere direkten Nachbarn sind sogar gerade dabei, ein neues Staatsmonopol zu errichten. Kein ausländisches Privatunternehmen wird sich mehr in das niederländische Stromnetz einkaufen können, denn das soll von den Erzeugern getrennt und verstaatlicht werden. Die industriepolitische Kluft zwischen den Nationalstaaten und Brüssel wird immer größer. Die einen klammern sich an alte Strukturen, die EU zerrt in Richtung Deregulierung und Öffnung. Eon/Endesa wird nicht die letzte Zerreißprobe sein.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
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