Eon-Endesa
Seltener Mut

Die Europäische Kommission ist normalerweise nicht für besonderen Mut bekannt, vor allem wenn es darum geht, die EU-Staaten für rechtswidriges Verhalten zu bestrafen. Umso bemerkenswerter ist die Unerbittlichkeit, mit der Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes gegen die spanische Blockade der Übernahme von Endesa durch Eon vorgeht.

In nur zwei Monaten will Kroes den Streit bis vor den Europäischen Gerichtshof treiben, sollte die Regierung in Madrid nicht vorher einlenken. Eine solche Eile hat es in der Geschichte der EU bisher erst einmal gegeben: Das war vor sieben Jahren als Portugal sich gegen die Übernahme eines Finanzdienstleisters durch - ausgerechnet - ein spanisches Unternehmen sträubte.

Der Unmut in Madrid über Kroes’ hartes Vorgehen wird beträchtlich sein, auch wenn sich die Regierung äußerlich gelassen gibt. Kein EU-Land steht gerne derart exponiert am Pranger. Doch die Wettbewerbskommisarin tut gut daran, sich nicht von diplomatischer Rücksichtnahme leiten zu lassen. Denn was zurzeit in Spanien veranstaltet wird, um Eon von Endesa fern zu halten, ist ein Ränkespiel schlechtester Schule. Der Verdacht drängt sich auf, dass die Madrider Regierung auf Zeit spielt, damit spanische Unternehmen wie Acciona in Ruhe ein Gegenangebot für Endesa vorbereiten können. Hat sie mit dieser Strategie Erfolg, dann werden auch anderswo die ohnehin schon morschen Dämme gegen den Protektionismus brechen.

Kroes’ Mut verdient auch deshalb Respekt, weil einige Regierungen heftig an ihrem Stuhl sägen. Besonders von den Franzosen ist bekannt, dass sie es gerne sähen, wenn Kommissionspräsident José Manuel Barroso die Niederländerin auf einen anderen Posten setzt. Womöglich ist Kroes Auftreten die beste Versicherung, um genau dies zu verhindern.

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