Eon
In der Sackgasse

Der Übernahmekampf um Endesa droht für Eon-Chef Wulf Bernotat zum persönlichen Waterloo zu werden. Kurz vor dem Ziel sind die Erfolgschancen durch den überraschenden Einstieg des italienischen Konkurrenten Enel auf ein Minimum gesunken.

Viele Handlungsalternativen hat Bernotat nicht mehr – und vor allem keine attraktiven. Scheiterte er in Spanien, könnte das Konsequenzen für ihn haben. Er hat schließlich einige schwer wiegende Fehler begangen. Enel hat sich inzwischen den Zugriff auf 17 Prozent der Endesa-Aktien gesichert. Sollte sich der Konkurrent wie erwartet mit dem spanischen Mischkonzern Acciona verbünden, der 21 Prozent kontrolliert und seit Monaten Front gegen Eon macht, wird es für Bernotat fast unmöglich, seine Ziele zu erreichen. Er wird auf der bevorstehenden Hauptversammlung kaum eine Mehrheit des Kapitals mobilisieren können, um die bisherige Beschränkung der Stimmrechte auf zehn Prozent zu kippen. Sollten sich weitere Aktionäre wie Cajamadrid der Front anschließen, dürfte es Eon zudem misslingen, die Aktienmehrheit zu bekommen.

Bernotat sind die Hände gebunden. Erneut aufstocken darf er seine Offerte nicht mehr – was in Anbetracht des bereits hohen Preises von 41 Mrd. Euro ohnehin nicht zu rechtfertigen wäre. Auch juristische Schritte versprechen keine Aussichten auf Erfolg. Bereits den ersten Rivalen Acciona hatte Eon erfolglos vor einem US-Gericht zu stoppen versucht. Letztlich nutzen Acciona und Enel nur die Möglichkeiten aus, die das spanische Übernahmerecht bietet: Im Gegensatz zum Eon-Konzern, der eine komplette Übernahme anstrebt, dürfen sie Aktien am Markt aufkaufen. Und Absprachen zwischen Enel und Acciona nachzuweisen dürfte kaum gelingen. Bernotat könnte versuchen, mit Enel und Acciona zu verhandeln. Ähnlich hat bereits sein Vorgänger Ulrich Hartmann in einer vergleichbar ausweglosen Situation agiert. Als eine Hand voll Kläger die sicher geglaubte Ruhrgas-Übernahme kippen wollte, einigte er sich in letzter Sekunde noch außergerichtlich. Enel und Acciona könnten an einer Aufspaltung des Konzerns interessiert sein – Enel an Kraftwerken und dem Frankreich-Geschäft von Endesa, Acciona an den Aktivitäten mit erneuerbaren Energien.

Vieles spricht dafür, dass Bernotat von seinen strikten Kriterien abrückt und zumindest die Aktien übernimmt, die ihm angedient werden, um sich anschließend mit den anderen Großaktionären zu arrangieren. Entsprechendes hat er bereits selbst angedeutet. Aber das wäre ein äußerst riskanter Kurs. Soll Eon für 40 Prozent des Kapitals 16 Mrd. Euro bezahlen, ohne Endesa kontrollieren zu können? Zumal die anderen Großaktionäre irrational agieren: Enel investiert Milliarden, obwohl der Konzern nach spanischem Recht überhaupt nicht die Kontrolle über Endesa erlangen kann, weil er zum Teil im Staatsbesitz ist. Acciona wiederum könnte einen immensen Kursgewinn einstreichen, blockiert aber aus politischen Gründen lieber Eon.

In Anbetracht des hartnäckigen Widerstands wäre es vernünftig, wenn Bernotat den Rückzug einleitete. Durch den Übernahmekampf ist Endesa so teuer geworden, dass die Transaktion ein enormes wirtschaftliches Risiko hätte. Aber selbst diese Option ist problematisch. Bernotat fehlen Alternativen, um die prall gefüllte Kasse des Energiekonzerns für Investitionen zu nutzen. Eon könnte schnell selbst zum Übernahmeopfer von Finanzinvestoren werden. Bernotat müsste vermutlich doch den Forderungen von Großaktionären nachgeben und hohe Sonderdividenden ausschütten oder Aktien zurückkaufen – oder sich eben doch mit einem Minderheitsanteil an Endesa zufrieden geben. So oder so: Sollte Bernotat tatsächlich mit seinen Übernahmeplänen scheitern, wäre sein Ruf als erfolgreicher und vor allem finanziell disziplinierter Manager arg ramponiert. Mit der Sturheit, mit der er über ein Jahr lang an seinem Ziel festgehalten hat, hat sich der Konzernchef weit aus dem Fenster gelehnt. Und vor allem hat er Fehler begangen. Der Widerstand der spanischen Politik war zu erwarten. Eon torpedierte schließlich die geplante Fusion von Gas Natural mit Endesa, die die Regierung selbst eingefädelt hatte. Bernotat überrumpelte mit seiner Gegenofferte Spaniens Ministerpräsidenten José Luis Zapatero. Natürlich ist das spanische Übernahmerecht fragwürdig, aber hätte Eon das nicht im Vorfeld absehen müssen, sich eventuell selbst mit einem ansehnlichen Aktienpaket eindecken können? Für Bernotat käme ein Scheitern des spanischen Abenteuers zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Im Frühjahr steht die Verlängerung seines Vertrags an, der im kommenden Jahr ausläuft. Um diese wird er zittern müssen.

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