Erdöl-Prognosen
Ein Preis-Roulette

Die jüngste Entwicklung auf dem Ölmarkt gibt Anlass zum Rätseln. Nur eines ist klar: das Zeitalter des billigen Erdöls ist vorbei. Die aktuelle Preisblase von 130 bis 150 Dollar je Barrel aber könnte rasch platzen.

Lange Zeit war sich die Mehrzahl der Experten einig, dass die jüngsten Ölpreissprünge mit fundamentalen Faktoren auf der Angebots- und Nachfrageseite nicht erklärt werden könnten. Es wurde vermutet, dass reinster Kasinokapitalismus, sprich Spekulanten aus der Finanzszene, hinter dem Ölpreisrätsel stehen würde. Mittlerweile hat sich die Einschätzung gewandelt: Spekulative Akteure würden lediglich die Ausschläge nach oben verstärken, seien aber nicht für den Trend verantwortlich, den verursachten Verknappungsfaktoren, lautet nun der Expertenkonsens.

Verunsicherung und Intransparenz sind die größten Feinde für stabile Marktentwicklungen. Beides besteht fort und wird auf die Schnelle nicht zu beseitigen sein. Die Hysterie auf den Weltölmärkten wird sogar noch weiter verstärkt, weil ein Wettlauf immer höherer Ölpreiswetten begonnen hat. Staatliche Produzenten und Finanzinstitute tun sich hierbei besonders hervor - nicht zuletzt, um von weiter steigenden Notierungen profitieren zu können.

Aber auch die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris diagnostiziert mittlerweile eine dritte Ölpreiskrise. Während politisch verursache Lieferstörungen die ersten beiden Ölpreiskrisen - 1973/74 und 1979/80 - auslösten, sind es diesmal Marktungleichgewichte: Die Nachfrage steigt in dieser Dekade schneller als das Angebot. Wie lange diese Situation jedoch anhält, ist offen. Die Schlussfolgerung der IEA-Experten, dass die Nachfrage dem Angebot vorauseilt, reicht kaum aus, um die aktuelle Preisexplosion zu erklären und eine dauerhafte Wende zugunsten der Produzenten zu prognostizieren.

In der jüngeren Vergangenheit hatten sowohl die Verbrauchsprognosen als auch die Angebotserwartungen kurz- bis mittelfristig hohe Fehlerquoten. Die Marktlage wurde durch die Pariser Agentur in der Regel etwas dramatisiert, um die Opec-Produzenten zu einer hohen Förderung zu ermuntern. Die nun prognostizierte nachhaltige Ölverknappung soll zweifellos auch Veränderungen im Verhalten bewirken. Die Schwellen- und Entwicklungsländer sollen ihre Subventionen streichen, die Produzenten ihre Ölförderkapazitäten durch Investitionen steigern und die Industrieländer stärker in Ölsubstitute sowie Energieeffizienz investieren.

Was als besonders kritischer Faktor beurteilt werden muss, ist die weitgehende Unkenntnis über die mobilisierbaren Vorräte in den wichtigsten Ölförderstaaten. Die Opec-Mitglieder, aber auch Länder wie Russland lassen keine unabhängigen Experten die Öl- und Gasreserven in ihren Regionen bewerten. Dies verstärkt die Befürchtung, dass konventionelle, relativ leicht zu gewinnende Öle zur Neigung gehen. Aber selbst wenn diese kostengünstig zu gewinnenden Brennstoffe knapper werden, stehen weitere Ressourcen wie Ölschiefer und-sand, Schwerstöl und Offshore-Öl aus tiefen Meeresregionen bereit. Diese Alternativen sind bei 60 bis 100 Dollar je Barrel rentabel.

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