Erfahrungsbericht
Danke, Hellenic Telecom!

Wie der griechische Telekom-Konzern OTE zum kundenfreundlichen Dienstleister und somit zum Vorbild für die Deutsche Telekom wurde – und unserem Griechenland-Korrespondenten Gerd Höhler 25 Jahre seines Lebens schenkte.
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AthenOTE – diese drei Buchstaben jagten einem vor nicht allzu langer Zeit in Griechenland einen Schrecken ein. Jeder brauchte OTE, denn das Staatsunternehmen hatte das Monopol für den Telefonbetrieb. Aber keiner hatte gern etwas mit der Firma zu tun. Sie war wie eine Behörde. Ihre Kunden behandelte sie von oben herab, wie lästige Bittsteller. Das hat sich gewandelt.

OTE, die Marke, unter der das Unternehmen Hellenic Telecom firmiert – heute stehen diese drei Buchstaben für ein kleines griechisches Wunder. Ich habe OTE jetzt sogar richtig ins Herz geschlossen. Und das kam so:
Endlich hat das schnelle Internet auch meine Gegend erreicht, dank neuer Kabel und Verteilerkästen in meiner Nachbarschaft im Athener Küstenvorort Glyfada. Bis zu 50 mbps seien nun drin, erzählte mir mein Nachbar neulich.

Ein Anruf bei OTE bestätigte die gute Nachricht: Ja, man könne das Upgrade innerhalb von 24 Stunden schalten, erklärte mir eine freundliche Dame. Kostet rund zehn Euro mehr pro Monat. Das sei es mir wert, sagte ich. Die Dame freute sich, teilte mir allerdings mit, ich benötige einen neuen Router. Doch das sei kein Problem. Den gebe es kostenlos, OTE werde ihn mir per Kurier zustellen.

Tatsächlich wurde das Gerät schon zwei Tage später angeliefert. Nach dem Auspacken stellte es sich als optisch ansprechendes, glänzend weißes Teil des chinesischen Herstellers ZTE heraus. Die Bedienungsanleitung las sich allerdings, als wäre sie mit Google Translator aus dem Chinesischen übersetzt worden.

Nach vier Versuchen, das schmucke Teil zu initialisieren, kapituliere ich. Frustration steigt in mir auf. Ich habe jetzt weder mein altes, langsames Internet noch das neue, schnelle. Ich rufe meinen Freund Tassos an, der sich mit solchen Problemen auskennt. „Mit dem ZTE bin ich nicht vertraut“, sagt Tassos, „aber ruf doch einfach OTE an, die helfen Dir!“ Jetzt? Es ist Sonntagabend, 19.30 Uhr.

Ich wähle 1388, die Servicenummer von OTE. Ein Automat führt mich durchs Menü: Habe ich Fragen zu meiner Rechnung? Will ich von einem anderen Telekom-Anbieter zu OTE wechseln? Ist mein Telefon gestört? „Bei Internetproblemen drücken Sie bitte die 4“, sagt der Automat. Und dann höre ich – eine menschliche Stimme!

„Guten Abend, OTE 1388, mein Name ist Angeliki Papadopoulou, wie kann ich Ihnen helfen?“ Ich bin fast sprachlos. „Sie arbeiten Sonntags, um diese Zeit?“, frage ich zurück. „Selbstverständlich“, sagt die Dame. Ich erkläre mein Problem. Sie fragt nach meiner Telefonnummer und dem Fabrikat des Routers. Dann sagt Sie: „Versuchen wir es mal zusammen.“ Geduldig gibt sie mir Anweisungen, was ich in meine Tastatur einzutippen habe und wo ich Mausklicks setzen muss, um den widerspenstigen Router zur Mitarbeit zu bewegen. Aber es hilft nichts. Immer wieder kommen Fehlermeldungen, die kleinen grünen LED am Router wollen nicht aufleuchten.

„Warten Sie mal, ich gehe kurz aus der Leitung“, sagt die Dame. Noch zwei Minuten meldet sie sich wieder: „Jetzt müsste es klappen.“ Ich frage zurück: „Und die Initialisierung des Routers?“ Sie sagt milde: „Das habe ich für Sie gerade von hier aus online erledigt – Sie sind jetzt wieder im Internet.“ Tatsächlich, ich bin drin!

Freunde in Deutschland, denen ich die Geschichte erzähle, sagen meist: „Warum bekommen wir bei der Deutschen Telekom nicht so einen tollen Service?“ Verstehe ich auch nicht. Die Telekom könnte ja von den Griechen lernen. Schließlich hält sie 40 Prozent der Anteile an OTE und steht nun offenbar kurz davor, weitere zehn Prozent zu übernehmen.

Die vorbildliche Tochter hört auf den Namen Οργανισμός Τηλεπικοινωνιών Ελλάδος (Organismos Tilepikinonion Ellados). Nicht nur der Name klingt kompliziert, auch die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen gestaltete sich früher schwierig.

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