Ergebnis der Exzellenzinitiative
Kommentar: Zu viel Elite

Nun dürfen sich also doch neun deutsche Hochschulen mit dem Titel „Spitzenuniversität“ schmücken. Nachdem in der ersten Runde 2006 lediglich drei auserkoren wurden, kamen nun in der zweiten Runde von acht Kandidaten sage und schreibe sechs zum Zuge. Doch bei der Auswahl dürfte nicht nur Exzellenz gezählt haben.
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Die RWTH Aachen, die frei Universität Berlin und die Unis in Freiburg, Göttingen, Heidelberg und Konstanz zählen zu den neuen Auserkorenen. Es spricht viel dafür, dass diese breite Streuung am Ende doch der Tribut an den Regionalproporz war. Denn die Jury der Wissenschaft hatte anfangs lediglich drei - Aachen, Heidelberg und Konstanz - auf den Schild gehoben.

Das jedoch hätte bedeutet, dass die deutsche Ivy League - mit Ausnahme von Aachen - ausschließlich in Süddeutschland beheimatet gewesen wäre. Wer sich an das Geschrei manch norddeutscher Politiker nach der ersten Rund erinnert, als lediglich die beiden Münchner und die Karlsruher Uni gekürt wurden, kann sich lebhaft ausmalen, welcher Sturm der Entrüstung dann losgebrochen wäre.

Ernst-Ludwig Winnacker, der frühere Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft und jetzige Generalsekretär des Europäischen Forschungsrates, hat frühzeitig gemahnt, Deutschland könne sich eigentlich nur zwei bis drei echte Elite-Unis leisten. Dieses Verdikt wird schnell verständlich, wenn man sich vergegenwärtigt, mit welchen Summen die internationale Konkurrenz unserer besten Hochschulen operiert.

In Europa richten sich neidvolle Blicke vor allem auf die ETH Zürich, die jährlich rund 700 Millionen Euro ausgeben kann. Unsere neuen Technischen Elite-Universitäten in München, Karlsruhe und Aachen hingegen kommen (ohne Medizin) lediglich auf rund 450 Millionen - und müssen damit deutlich mehr Studenten ausbilden. Kein Wunder, dass die ETH teilweise deutlich höhere Gehälter bietet, mit denen Zürich auch unseren Hochschulen die besten Leute wegkauft. (Die Studiengebühren in Zürich betragen im Übrigen lediglich 350 Euro - deutsche Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg nehmen 500 Euro).

US-amerikanische Super-Unis wie Harvard, MIT, Stanford oder Berkeley bewegen sich mit Budgets zwischen ein und zwei Milliarden Euro jährlich ohnehin weit jenseits dieser Sphären. An diesen Größenunterschieden wird auch die Exzellenzinitiative kaum etwas ändern, denn jede der Elite-Uni kann jährlich allenfalls mit zusätzlich 30 bis 40 Millionen Euro rechnen.

Daraus folgt zweierlei: Zum einen werden vor allem die Länder nicht darum herum kommen, ihre besten Hochschulen mit deutlich mehr Geld auszustatten. Zum anderen muss der Trend zur stärkeren Kooperation zwischen den Hochschulen und den außeruniversitären Einrichtungen mit Vehemenz weiter vorangetrieben werden.

Denn auch ein MIT entspricht letztlich ungefähr zwei deutschen Hochschulen, zwei Max-Planck-Instituten, einem Fraunhofer-Institut und einem Großforschungseinrichtung - nur eben geballt auf einem Fleck. Gemeinsam müssen Bund und Länder zudem schnell die Fortsetzung der Exzellenzinitiative fest geklopften - auch damit der Druck im Kessel, der in der gesamten Hochschulszene ungeahnte Energien freigesetzt hat, erhalten bleibt.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

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