Erhöhte Prognose
Das neue Daimler-Prinzip

Daimler-Chef Dieter Zetsche und Finanzchef Bodo Uebber können die Krise abhaken. Der Konzern ist aber gut beraten im Aufschwung nicht wie in vergangenen Zeiten gleich wieder übermütig zu werden und das Geld zu verpulvern – das alte Daimler-Prinzip. Ein Kommentar von Martin-W. Buchenau.
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Daimler erhöht zum dritten Mal in diesem Jahr die Prognose. Als hätte es noch eines dritten Beweises bedurft. Die Unternehmenssteuerung rein nach Zahlen und Prognosen hat erst in der Krise und jetzt im Aufschwung ihren Offenbarungseid geleistet und das gleich zweimal. Jeweils überrollte die Realität die Unternehmen erst wie Tsunami, jetzt wie eine Woge der Begeisterung.

Bosch-Chef Franz Fehrenbach hat es im Handelsblatt zu Beginn der Woche schön ausgedrückt. Ihm gefalle der in der Autokrise häufig von Vorstandschefs benutzte Ausdruck "Wir fahren auf Sicht" nicht. Denn wenn man nichts sieht und auf Sicht fährt, fährt man gegen die Wand. Deshalb sei Bosch dazu übergegangen lieber nach Prinzipien als nach Extrapolation das Großunternehmen zu steuern.

Aber seien wir ehrlich. Natürlich werden wir lieber von positiven als von negativen Zahlen überrascht. Nur eines ist klar. Die vernetzte Weltwirtschaft - das globale Dorf - wird nicht das letzte Mal die Weltwirtschaft in eine Achterbahnfahrt gestürzt haben. Die Unternehmen müssen uns auf stärkere Ausschläge in kürzeren Abständen einstellen. Auch was die Treffsicherheit der Unternehmenspläne anbelangt. Da darf man ruhig gespannt sein, wie Daimler seine Seismographen künftig besser kalibriert - vielleicht nach neuen Prinzipien.

Bosch traut den Frühwarnsystemen der Auguren längst nicht mehr und hielt sich in der Krise als rundherum alles in sich zusammenfiel an die Maxime: Liquidität absichern, Kosten senken, Kernmannschaft halten und nicht Zukunftsprojekte in Forschung und Entwicklung oder Investitionen in Wachstumsmärkte kürzen. Das klingt banal, hatte bei Bosch aber Erfolg, auch weil das Unternehmen mit einer soliden Eigenkapitalquote von 50 Prozent in die Krise ging.

Daimler ist gut beraten im Aufschwung nicht wie in vergangenen Zeiten gleich wieder übermütig zu werden und das Geld zu verpulvern - das alte Daimler-Prinzip. Der neue alte Werbeslogan "Das Beste oder nichts" kann da beim Thema Haushalten leicht in die Irre führen. Besser haushalten ist angesagt. Selbst auf die Gefahr hin, dass Reserven börsennotierte Konzerne unter Umständen zu Übernahmezielen macht. Denn nur wer mit guten Reserven sich für die nächste Krise wappnet, braucht das nächste Mal nicht wieder eine milliardenschwere Eigenkapitalspritze von den Scheichs in Abu Dhabi.

Konzernchef Dieter Zetsche und Finanzchef Bodo Uebber können die Krise abhaken, vergessen sollten sie sie nicht, und das nächste Mal aus eigener Kraft meistern. Dafür braucht auch Daimler andere und neue Prinzipien und zwar jetzt im Aufschwung und nicht erst beim nächsten Crash. Der Stern hat sich in den vergangenen Jahrzehnten als unkaputtbar erwiesen. Verlassen sollte sich Daimler darauf nicht, erst recht nicht nach diesem glänzenden Comeback. Wir sind gespannt auf das neue Daimler-Prinzip.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent

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