Erneuerbare Energien
Tunnelblick

In der Hitze der Debatte geht nicht selten der Blick auf das große Ganze verloren. So ist es dem EU-Gipfel in Brüssel ergangen, der heute zu Ende geht. Die öffentliche Wahrnehmung hat sich darauf fixiert, ob Angela Merkel den 27 Mitgliedstaaten ein verbindliches Ziel für den Ausbau der erneuerbaren Energien abringen kann. Misslingt ihr das, dann gilt sie als gescheitert. An der verengten Wahrnehmung ist Merkel allerdings selbst schuld. Sie hat sich in ein Detail verbissen. Europa will Vorreiter im Klimaschutz werden. Die Steigerung des Anteils von Wind-, Sonnenkraft und Biomasse bis 2020 auf 20 Prozent ist dazu ein wichtiger Schritt. Aber eben nur einer. Zudem bleiben die 20 Prozent auch dann eine Absichtserklärung, wenn ihnen das Wörtchen „verbindlich“ vorangestellt ist. Wer soll Polen oder Deutschland bestrafen, wenn 2019 bekannt wird, dass sie die Zusage verfehlen?

Verbindliche Ziele können sinnvoll sein. Sie erhöhen den Druck, dass sich etwas bewegt. Aber sie bergen auch die Gefahr, dass die Vernunft auf der Strecke bleibt. Nicht alles, was unter dem Label erneuerbare Energien als umweltfreundlich und zukunftsweisend daherkommt, erfüllt den Anspruch. Solarzellen auf deutschen Dächern produzieren nicht auf effiziente Weise Strom. Die Steuermittel dafür wären sinnvoller in eine bessere Wärmedämmung investiert. Biosprit aus Mais und Raps fördert Monokulturen, erhöht die Nahrungsmittelpreise und weist teilweise eine erbärmliche CO2-Bilanz auf. Es zahlen Umwelt und Entwicklungsländer. Neue Technologien werden diese Probleme womöglich lösen, aber sie sind erst im Entwicklungsstadium. Bis dahin gilt: Die Debatte um den Klimaschutz darf sich nicht auf die erneuerbaren Energien verengen.

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