Escada
Großes Geschacher

Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Aktien von schwer angeschlagenen Firmen an der Börse Achterbahn fahren. Nach Übernahme-Spekulation schießt nun auch die Escada Aktie kurzfristig nach oben. Doch der gestiegene Aktienkurs muss kein Anzeichen für eine schnelle Rettung sein.
  • 0

MÜNCHEN. Jetzt sind die Zocker an der Reihe: Um satte 30 Prozent ist der Aktienkurs von Escada gestern zeitweise in die Höhe geschossen, nachdem der Münchener Rechtsanwalt Nickolaus Becker am Morgen sein Interesse an dem insolventen Modekonzern verkündete.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Aktien von schwer angeschlagenen Firmen an der Börse Achterbahn fahren. Von den Kursausschlägen sollte sich deshalb niemand blenden lassen: Bis es zu einer endgültigen Entscheidung über die Zukunft des Münchener Kleidermachers kommt, werden vermutlich noch mehrere Monate vergehen.

Die Erfahrung aus der Insolvenz anderer bekannter Firmen wie Märklin oder Schiesser in diesem Jahr lehrt: Dutzende Interessenten werden sich beim vorläufigen Insolvenzverwalter Christian Gerloff melden. Es hat seinen Grund, dass die potenziellen Käufer Schlange stehen. Mit den bekannten Marken lässt sich wahrscheinlich auch in den nächsten Jahren noch gutes Geld verdienen.

Bei Märklin und Schiesser steht bereits fest, dass die Unternehmen verkauft werden. Im Fall von Escada ist noch völlig unklar, welchen Weg Gerloff einschlagen wird. Bis jetzt hat der Jurist nur angekündigt, dass er Escada möglichst als Einheit erhalten will. Das wird aber nicht einfach, denn zumindest die Escada AG ist unattraktiv, weil die Besitzer einer 200 Millionen Euro schweren Unternehmensanleihe Ansprüche stellen werden. Sie haben schon die Restrukturierung unter Vorstandschef Bruno Sälzer zu Fall gebracht, der sie dazu überreden wollte, auf einen großen Teil der Rückzahlung des Bonds zu verzichten.

Stattdessen werden Kaufinteressenten versuchen, die Markenrechte zu erwerben, einen Teil des hochspezialisierten Personals zu übernehmen, vielleicht auch Läden und das Lager zu kaufen. Dabei werden nicht nur vermögende Unternehmer wie Becker einen Blick auf die nach einem irischen Rennpferd benannte Marke werfen. Escada könnte auch für Kleiderproduzenten oder große Luxuskonzerne wie LVMH oder PPR aus Frankreich interessant sein. Käufer aus der Luxusbranche hätten einen großen Vorteil: Sie könnten Escada in ihre bestehende Struktur eingliedern und so die Kosten massiv senken. Womöglich treten aber auch Private-Equity-Firmen auf den Plan, die trotz der Finanzkrise über genügend Kapital verfügen, um bei Escada einzusteigen.

Dass das Engagement nicht billig wird, ist klar. Sollte der Insolvenzverwalter die Markenrechte abstoßen, so müssten die Käufer nach Ansicht von Branchenkennern einen Betrag in dreistelliger Millionenhöhe hinlegen. Wie viel Gerloff am Ende bekommt, hängt auch davon ab, inwieweit die Marke durch die Insolvenz beschädigt wird. Nichts wäre für den Anwalt schlimmer als negative Schlagzeilen, die sich über Monate hinziehen.

So mancher Altaktionär hat freilich längst die Nase voll. Die spanische Bestinver Gestión hat ihren Anteil von zuletzt mehr als zehn Prozent Anfang August, nur wenige Tage vor dem Insolvenzantrag, fast komplett abgestoßen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

Kommentare zu " Escada: Großes Geschacher"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%