Essay
Merkels Melodie in Moll

Wirtschaftskrise, Afghanistan-Krieg und die Schicksalswahl in Nordrhein-Westfalen: 2010 ist reich an politischen Herausforderungen. Die Kanzlerin misstraut Bankern und Konjunkturoptimisten. Vorsichtig stimmt sie uns auf ein weiteres schwieriges Jahr ein.
  • 3

BERLIN. Mit letzter Kraft hat sich Angela Merkel kurz vor der Jahreswende in ihr kleines, weißes Wochenendhaus in der Uckermark zurückgezogen. In der vertrauten, flachen Landschaft ihrer Kindheit unternimmt die Bundeskanzlerin in diesen kurzen, kalten Tagen lange Spaziergänge und sinnt über das kommende Regierungsjahr nach.

Sie wolle "die Dinge einmal in Ruhe durchdenken und in eine vernünftige Reihenfolge bringen", kündigte die Regierungschefin kürzlich in kleiner Runde an. Der holprige Beginn ihrer zweiten Amtszeit steckt ihr spürbar in den Knochen. Einen weiteren Fehlstart ins neue Jahr will Merkel auf jeden Fall vermeiden.

Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, was 2010 ganz oben auf Merkels To-Do-Liste steht. "Umgang mit der Krise" wird man dort lesen können, keinesfalls jedoch Worte wie "Lösung der Krise". Für solche Verheißungen ist die Regierungschefin zu nüchtern. Mehrfach hat sie eingestanden, dass die Politik sich in der Krise "wie im Nebel" bewege, vorsichtig und tastend, weil niemand den Weg voraus klar erkennen könne.

Den Prognosen der Konjunkturforscher begegnet Merkel inzwischen mit Vorsicht. Zu tief sitzt immer noch die Enttäuschung darüber, dass die Wissenschaftler in den vergangenen beiden Jahren danebenlagen. Auch das, was sie derzeit von den Chefs der Banken und Unternehmen hört, bestärkt Merkel in ihrem Misstrauen. Obwohl ihr manche mehr regierungsamtlichen Optimismus einreden wollen, stimmt die Chefin ihre Melodie lieber in Moll an: "Wir bewegen uns auf einem extrem labilen und unvorhersehbaren Grund", warnt Merkel.

Mit Sorge beobachtet sie zudem, dass an den internationalen Börsenplätzen wieder munter mit Öl und genau jenen Giftpapieren gezockt wird, die einst die Krise auslösten. Schuld an diesem beunruhigenden Übermut sind die wieder explodierenden Gewinne der Investmentbanker und deren Gewissheit, der Staat werde ihnen beim nächsten Crash schon wieder aus der Patsche helfen.

Für Merkel hat deshalb international die Fortsetzung des G20-Prozesses höchste Priorität. Beharrlich sammelt sie in der EU Unterstützung für ihren Kurs gegen die anglo-amerikanische Tendenz, die Regulierung der Finanzmärkte so gering wie eben möglich zu gestalten. "Eine Bank darf nie wieder einen Staat erpressen können", formuliert Merkel, aber der Widerhall ihrer Worte in der City of London oder an der Wall Street in New York ist noch gering.

Seite 1:

Merkels Melodie in Moll

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Kommentare zu " Essay: Merkels Melodie in Moll"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Tobi, das haben Sie erstklassig aufgezählt.

    So, nun haben wir Anfang Mai und Merkels Träume nehmen immer mehr Gestalt an.

  • Hallo Tobi, in allem was sie sagen, gebe ich ihnen recht.
    Man hat die alten mit der ewigen Kriegsschuld belegt, die jungen wurden und werden mit Scheinwelten geködert, unsere Politiker ob rot, grün, schwarz, gelb, haben für unser Land und deren bevölkerung schon lange nichts mehr übrig. Die Politik baut für sich eine neue Welt auf, ohne Volk. Heute müßen wir Europäisch oder global denken, wenn wir dies irgendwann verstanden haben, ist unser Land, die Sprache unsere Kultur vergessen, dies wollen unsere Politiker nur erreichen. Am Ende steht eine Weltregierung, aber bis es soweit ist, wird noch sehr viel blut und Tränen vergossen. Unsere Politiker haben Angst, sich mit unserer Geschichte zu befassen. in den Schulen beginnt die deutsche Geschichte mit dem dritten Reich, es werden deutsche käsiger usw. gar nicht richtig unterrichtet. Es wird in der Öffentlichkeit, nicht über besatzungsrechte gesprochen, die heute noch gültig sind, keinen jungen Menschen interessiert dies, sie glauben sie seien frei und in der Welt willkommen dies ist ein Trugschluss. Solange Geld aus diesem Sklaven Volk zu pressen ist, wird es von unseren Freunden ausgepresst dies ist die Wahrheit.
    ich wünsche allen Lesern und allen Leserbrieschreibern, ein gutes Friedliches neues Jahr 2010.

  • Sie weiss genau das es schlechter wird.....
    Schliesslich tut sie ihr möglichstes das Deutsche Volk zu verraten und zu verkaufen.
    Dafür ist sie gewählt worden, dafür bekommt sie viele Extramillionen Vasallenlohn.
    Und die Deutschen schlafen weiter und träumen von Computer, Games, Fun, Sex, Tv, tollem Urlaub, geilen Fingernägeln und Piercings und schicken Autos.....
    Doch whe wenn ich auf das Ende sehe.....

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%