EU-Kommission
Schröders Star-Rummel

Deutschland sucht den Superkommissar. Erfinder dieses spannenden Spiels für die EU ist Bundeskanzler Gerhard Schröder. Aber wer wird der Gewinner sein? Europa gewiss nicht – und Deutschland am Ende auch nicht.

Deutschland sucht den Superkommissar. Erfinder dieses spannenden Spiels für die EU ist Bundeskanzler Gerhard Schröder. Aber wer wird der Gewinner sein? Europa gewiss nicht – und Deutschland am Ende auch nicht. Zu sehr setzt sich der deutsche Regierungschef dem Verdacht aus, es gehe hier um das machtvolle Durchsetzen eigener Interessen. Denn dass das gewaltige neue Amt nur einem Deutschen gebührt, versteht sich bei der angezettelten Debatte von selbst.

Mit einer derart offenen Strategie neun Monate vor dem Amtsende der derzeitigen EU-Kommission wird Schröder aber havarieren. Brachiale Ansprüche haben in der EU selten zu wunschgemäßen Ergebnissen geführt. Schon gibt es scheelen Unmut aus anderen EU-Ländern. „Pfuscherei“ nennt Italiens Silvio Berlusconi den gestrigen Dreiergipfel der EU-Dickschiffe Frankreich, Großbritannien und Deutschland. Dabei sollte in Berlin der schemenhafte „Super“ für Brüssel wenigstens etwas Gestalt annehmen.

Doch schon Kinder im Sandkasten wissen: Wer andere erst nicht mitspielen lässt, bekommt die kalte Schulter, wenn er sie später wieder braucht. Für das Installieren eines Kommissars, der im Gegensatz zu den anderen eine umfassende Koordinierungsfunktion hat, ist das gestern selbst ernannte EU-Triumvirat auf Konsens unter den bald 25 Mitgliedstaaten angewiesen. Die Chancen, den zu erreichen, stehen nach dem Machtgebaren der letzten Tage schlechter.

Damit aber haben sowohl Europa wie auch Deutschland verloren. Denn im Kern ist die Forderung nach stärkerer Beachtung wirtschaftlicher Interessen seitens der Kommission ja richtig. Hundertschaften von Unternehmern und Politikern haben seit der Zeugung der Brüsseler Bürokratie bis zum Rand der Erschöpfung Kämpfe gegen die Regulierungswut des Beamtenapparats ausgetragen.

Das unglückliche taktische Manöver Schröders jedoch, zu sehr fixiert auf die Etablierung eines starken Kommissars, zu vordergründig verbunden mit deutschen Ambitionen, könnte die von den Firmen händeringend geforderte industriepolitischere Ausrichtung Brüssels ungewollt stoppen. Auch in der Politik ist die Suche nach einem Superstar nicht immer eine gute Idee.

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