EU
Nicht auf der Höhe

Wenn es in der Welt zu rau wird, ziehen die Europäer sich ins eigene wohlig-warme Nest zurück.

Von dieser verfassungs- und erweiterungsverdrossenen EU geht zunehmend der Muff provinzieller Bräsigkeit aus. Man bekommt die eigenen Angelegenheiten nicht auf die Reihe und lässt Dritte die Zeche zahlen.

Nirgends zeigt sich diese Verstocktheit so klar wie an der destruktiven Krittelei gegenüber den Türken. Seit einem Jahr laufen die Beitrittsverhandlungen. Die türkische Regierung könnte manchmal enthusiastischer sein bei internen Reformen. Was sich aber grundlegend geändert hat, ist die Intention der EU.

Viele Mitgliedstaaten und EU-Kommissare wollen die Türkei gar nicht mehr dabei haben. Auch wenn Premier Erdogan sich morgen zum Christentum bekehrte, die Militärs kein Wort mehr über die Politik verlören und Armenisch zur Amtssprache würde: Es geht diesen Quertreibern nicht mehr um die Lösung realer Probleme. Sie wollen Schwierigkeiten aufblähen, um einen Vorwand dafür zu haben, die Verhandlungen abzubrechen. Der Sinnkrise der EU begegnen sie mit Populismus: Haltet die Türken raus!

Der Streit über die Öffnung nordzyprischer Häfen für Waren aus dem griechischen Süden der Insel ist der jüngste Anlass. Sicher steht Ankara hier im Wort, doch noch klarer ist, dass die Griechen-Zyprioten falsch spielen. Im Gegensatz zum Norden der Insel haben sie den Uno-Plan für die Lösung des Zypern-Plans blockiert und legen nun gegen jeden entkrampfenden Schritt der EU ihr Veto ein.

Worauf die EU hier zuschlittert, ist der Beweis strategischer Unfähigkeit. Wenn sie die Türkei auflaufen lässt, ohne ihr in den Verhandlungen eine echte Chance zu geben, brüskiert sie ihren wichtigsten Partner in Nahost und verliert ihr Ansehen als glaubwürdiger Akteur.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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