Euro-Allzeithoch
Die Probleme kommen noch

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Der starke Euro kann der deutschen Wirtschaft bislang nicht viel anhaben, darüber scheinen sich fast alle Experten einig zu sein. Ihr Argument: Solange die Konjunktur brummt und die Nachfrage steigt, lassen sich Wettbewerbsnachteile gegenüber dem Dollar-Raum leicht verschmerzen. Zumal die Weltnachfrage Schwächen aus den USA mehr als kompensiert.

Aber wie lange bleibt dieses Argument gültig? Und beruht es nicht inzwischen auf falschen Voraussetzungen?

Bisher behielten die Optimisten recht. Der Euro steigt seit Jahren, ohne dass er Euro-Land nennenswert beeinträchtigt. Die großen Firmen stehen vor ihrem vierten Rekordgewinnjahr in Folge. Die Konjunktur brummt heute stärker als bei Euro-Kursen von 1,10 oder 1,20 Dollar, obwohl heimische Produkte im Dollar-Raum immer teurer werden.

Die Auftragsbücher der exportorientierten Unternehmen sind prall gefüllt, die Firmen produzieren deshalb bis zum Anschlag. Der investitionsgetriebene Aufschwung der Weltwirtschaft begünstigt ganz besonders traditionelle Unternehmen der einst belächelten "Old Economy", womit Deutschland reich gesegnet ist. Weil das Herz unserer Wirtschaft, der Maschinenbau und die Elektroindustrie, oftmals einzigartige und damit konkurrenzlose Waren liefert, setzen die Konzerne sogar höhere Preise durch.

Aber das ist Gegenwart und deshalb rasch Vergangenheit. Die Zukunft könnte düsterer aussehen. Denn inzwischen steigt der Euro vor allem deswegen, weil die Akteure an den Finanzmärkten die Risiken für eine Rezession in den USA immer höher einschätzen. Die Immobilienkrise verringert den Wert vieler Häuser, verteuert Hypotheken und zwingt deshalb Verbraucher, künftig weniger Geld auszugeben. Deshalb investieren und produzieren möglicherweise bald auch die US-Unternehmen weniger. Obendrein verteuert die Finanz- und Vertrauenskrise zwischen den Banken künftige Refinanzierungen. Das Schlimmste aber: Der Konsum, der zwei Drittel zur amerikanischen Volkswirtschaft beiträgt, droht einzubrechen.

Fragt aber die mächtigste Volkswirtschaft weniger Produkte nach, kommen auch deutsche Konzerne unter Druck. Denn künftig öffnen sich gleich zwei Flanken: Weniger Aufträge verteilen sich auf Firmen, die im Boom ihre Kapazitäten ausgeweitet haben. Obendrein steigt der Wettbewerbsdruck, weil Euro-Produkte im Dollar-Raum immer teurer werden. Darunter leidet die exportorientierte deutsche Industrie ganz besonders.

Blickt man auf bisherige Boombranchen wie Chemie, Maschinenbau und Elektroindustrie, dann gleichen die nachfragehungrigen Staaten in Asien, Lateinamerika und Osteuropa bisherige Schwächen in den USA zwar mehr als aus. Doch wenn US-Finanzminister Henry Paulson mit seiner Prognose recht behält und die derzeitige Krise an den Kreditmärkten länger dauert als jede andere Schieflage in den vergangenen 20 Jahren, dann endet in absehbarer Zeit auch der Boom in den Schwellenländern. Denn wenn den Chinesen, Indern und Koreanern der wichtige Absatzmarkt USA wegbricht, dann schwinden aus Fernost auch rasch neue Aufträge für Maschinen "made in Germany".

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