Euro-Krise
Deutschland steht am Rand einer Rezession

Droht Deutschland eine Rezession? Bislang hatten Ökonomen immerhin mit einem Miniwachstum gerechnet. Doch der Absturz wichtiger Konjunkturbarometer lässt nun Schlimmes befürchten. Die Wirtschaft verfällt in Schockstarre.
  • 10

DüsseldorfIn nur einer Woche haben sich die Vorzeichen für die deutsche Wirtschaft dramatisch verschlechtert. Am Freitag bestätigte mit dem Ifo-Index auch der wichtigste Frühindikator für die deutsche Wirtschaft, die katastrophalen Signale der Vortage. Anfang der Woche waren bereits der ZEW-Index und der Einkaufsmanagerindex für die deutsche Wirtschaft deutlich gefallen.

Während der ZEW-Index die Einschätzung von Finanzmarktexperten widerspiegelt, zeigen Ifo- und Einkaufsmanagerindex, dass auch die Unternehmen ihre Geschäftsaussichten deutlich schlechter bewerten. Der deutschen Wirtschaft droht nun eine Rezession. Bislang hatten viele Ökonomen erwartet, dass die deutsche Wirtschaft im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern der Eurozone in diesem Jahr moderat wachsen könnte. Nun erscheint es zunehmend unrealistisch, dass sich Deutschland vom Trend in den anderen Euro-Ländern abkoppeln kann.

Derzeit macht sich die Euro-Krise vor allem in der zunehmend schlechten Stimmung in der Wirtschaft bemerkbar. Während die Unternehmen laut Ifo-Index ihre gegenwärtige Geschäftslage sogar etwas besser bewerten (von 113,2 Zählern auf 113,9 Punkte), schätzten sie ihre Aussichten für die kommenden sechs Monate deutlich schlechter ein (von 100,8 Punkte auf 97,3 Punkte).

Das macht deutlich: Die deutschen Unternehmen fürchten die Auswirkungen der Krise auf ihr Geschäft. Diese Angst lähmt derzeit die Wirtschaft - auch in Deutschland. Die Unsicherheit ist die größte Bremse für das Wachstum. Klar, dass derzeit kein ausländisches Unternehmen in Griechenland investieren möchte, wo völlig unklar ist, ob der Euro dort in einem Jahr noch Zahlungsmittel ist. Doch die Unsicherheit betrifft auch Länder wie Spanien, wo der Privatsektor hoch verschuldet ist. Noch immer gehen 40 Prozent der deutschen Exporte in die Eurozone.

Bald dürfte sich die Unsicherheit deshalb auch in schlechteren realen Wachstumszahlen in Deutschland niederschlagen. Der Auftragseingang aus den anderen Euro-Ländern ist bereits deutlich rückläufig. Noch entwickelt sich der Auftragseingang aus den Ländern außerhalb der Eurozone zwar einigermaßen stabil, doch auch hier sind Rückschläge zu befürchten. Sogar die sonst so robusten Bric-Staaten schwächeln, von Indien über Brasilien bis hin zu China.

Was gibt da noch Hoffnung?

Grade wegen der Krise gibt es nun ein paar automatische Stabilisatoren. So ist zum Beispiel der Ölpreis im Zuge der Krise deutlich gefallen. Eine alte Daumenregel besagt, dass ein um 10 US-Dollar niedrigerer Ölpreis die Wirtschaft um 0,25 Prozentpunkte stützt, wobei der positive Effekt abhängig von der Energieintensität des jeweiligen Landes ist.

Auch der Wechselkurs des Euro ist deutlich gefallen und könnte sogar noch weiter zurückgehen. Hinzu kommt, dass die Notenbanken in den USA und der Eurozone der Wirtschaft wohl bald mit neuen Impulsen auf die Beine helfen. Die EZB könnte ihren Leitzins am 5. Juli oder sogar noch früher um bis zu 0,5 Prozentpunkte senken.

Das alles kann zwar helfen. Entscheidend jedoch ist, dass den Unternehmen die Angst vor einem Zusammenbruch des Euro genommen wird. Ansonsten geht es auch hierzulande wirtschaftlich bergab. Deutschland balanciert am Rande einer Rezession.

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent

Kommentare zu " Euro-Krise : Deutschland steht am Rand einer Rezession"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wenn man das Handelsblatt aufschlägt, dann meint man schon seit 5 Jahren, dass die Welt am nächsten Tag unter- geht. Drama, Drama, Drama! Die Lage ist zweifellos ernst, ich kann's aber nicht mehr hören und lesen "Deutsche Bank herabgestuft, Deutschland steht an der Rezession, Angriff auf die Deutschen Steuerzahler" usw. usw. Ich frage mich was das HB schreiben würde, wenn es in England, Frankreich,Spanien oder Italien sitzen würde? Wahrscheinlich hätte man prophylaktisch schon mal alle Redakteure entlassen und die Druckpressen stillgelegt, weil morgen geht ja endgültig die Welt unter!

  • @RBern: das mit dem Fachkräftemangel können Sie abgesehen von einigen Segmenten der IT-Branche in die Kategorie Märchen einordnen. Das wird uns permanent erzählt, um die Zuwanderung von Qualifizierten aus aller Welt zu erleichtern. Das Ziel der Übung: der Eine möge den Anderen im Wettlauf um die ausgeschriebene Stelle unterbieten!

  • Ob die deutsche Wirtschaft in eine Rezession rutscht - hängt unter anderem davon ab, ob die Binnennachfrage die Auslandsnachfrage substituieren kann.
    Was man eigentlich zu vernein ist.

    Eine Rezession in Deutschland, von den Medien herbeigeredet, von den europäischen Nachbarn herbeigesehnt, würde die Eurozone und selbstverständlich den europäischen Binnenmarkt mitreißen. Was bei der ganzen Neiddiskussion übersehen wird: Ein Großteil von den Exportgütern, enthalten Vorprodukte aus dem Ausland. Die müssen also aus dem europäischen Ausland IMPORTIERT werden.

    Folglich: Würde die deutsche Wirtschaft abtauchen, zöge sie die anderen europäischen und weitere Volkswirtschaften mit sich - Obamas Wiederwahl.

    Eine Rezession wäre insofern für das europäische Ausland katastrophal, weil die deutschen Politiker der Bevölkerung nicht mehr vermitteln werden können, warum Geld für andere ausgegeben sowie bei Ihnen gespart wird und sie darüber hinaus noch weitere Lasten zu tragen haben.

    Ich glaube die europäische Schadenfreude, die sich erkennen lässt, übersieht, in welche prekäre Situation wir in Europa kommen, sollte es den Menschen in Deutschland schlechter gehen. Wir haben bereits einen Verteilungskampf, den die Deutschen verlieren. Nur sie spüren es noch nicht, da ihnen vorgegaukelt wird, es ist alles gut. Wird der Verteilungskampf existenziell - werden Schulden für ausländische Arbeitslose und Kranke aufgenommen - wird es den deutschen Landsleuten nicht mehr egal sein, dass an ihnen zum Wohle anderer gespart wird. Ich bin überzeugt, die Politik hat sich in der Europapolitik verrannt. Es brodelt und manchmal kochen die Deutschen auch über. Ich persönliche mache mir Sorgen. Das ist der Stoff, das sind die Voraussetzungen weshalb früher Kriege geführt wurden. Denn irgendwann einmal muss auch der europafreundlichste Politiker merken: Man ist sich selbst der Nächste. Und das praktizieren unsere europäischen Freunde bereits extrem lange.









Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%