Euro-Krise
Griechenland hat Klassenziel erneut verpasst

Trotz einer schweren Rezession und zwei Wahlen hat die Haushaltskonsolidierung in Griechenland Fortschritte gemacht. Dennoch muss sich das Land einen Ruck geben, um notwendige Reformen in Gang zu setzen.
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Gerade erst haben die Griechen aufgeatmet: Das Land hat eine neue, proeuropäische Regierung unter dem konservativen Premier Antonis Samaras bekommen. Den radikallinken Hasardeur Alexis Tsipras verbannten die Wähler am 17. Juni auf die Oppositionsbank.

Aber die Erleichterung war nur von kurzer Dauer. Die Krise ist zurück - oder zumindest das Krisengerede: Der IWF wolle seine Hilfszahlungen an Athen einstellen, heißt es in Medienberichten; für Wirtschaftsminister Rösler hat ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro „längst seinen Schrecken verloren“; und CSU-Generalsekretär Dobrindt empfiehlt den Griechen, die Staatsbediensteten schon jetzt zur Hälfte mit Drachmen zu entlohnen - um sich vom Euro zu entwöhnen. Beginnt der letzte Akt des Griechen-Dramas?

Heute kehrt die Troika nach Athen zurück. Von ihrem Urteil wird abhängen, ob sich die Katastrophenszenarien bewahrheiten oder ob Griechenland weitere Hilfsgelder bekommt. Ihr Zeugnis werden die Prüfer voraussichtlich erst Anfang September vorlegen. Aber schon jetzt ist absehbar: Griechenland hat das Klassenziel wieder verpasst. Zwei Wahlkämpfe haben das Land sechs Monate lang politisch gelähmt. Die Geduld der Gläubiger geht zu Ende.

Dabei hat sich in Griechenland seit Auflage des ersten Hilfspakets im Mai 2010 durchaus etwas bewegt. Nach Berechnungen der OECD sind die Reallöhne im vergangenen Jahr um 25,3 Prozent zurückgegangen, Griechenland hat einen Teil seines Wettbewerbsrückstands aufgeholt. Auch die Haushaltskonsolidierung macht Fortschritte: In nur zwei Jahren wurde das Budgetdefizit um fast sechs Prozentpunkte vom Bruttoinlandsprodukt reduziert. Im ersten Halbjahr 2012 lag der Fehlbetrag mit 12,4 Milliarden Euro deutlich niedriger als die im Etat angesetzten 14,9 Milliarden. Kein anderes EU-Land hat eine solche Konsolidierungsleistung vorzuweisen.

Dieser Erfolg ist umso bemerkenswerter, als er vor dem Hintergrund einer schweren Rezession erzielt wurde. Griechenlands Wirtschaft befindet sich seit fünf Jahren auf Talfahrt. Bis zum Ende dieses Jahres wird das BIP um rund ein Fünftel geschrumpft sein. Das Resultat: 22,5 Prozent der Griechen sind arbeitslos, unter den bis zu 25-Jährigen hat sogar mehr als jeder Zweite keinen Job.

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  • @Ben-WA
    Ich erinnere mich noch genau:
    Das Deutsche Volk wurde bei der Einführung des EURO ruhiggestellt mit dem Argument: Niemand muß bei der Urlaubsreise in ein EURO-Land mehr sein Geld umtauschen! Was will ein reiselustiges rechenschwaches Volk mehr.

  • Dabei hat sich in Griechenland seit Auflage des ersten Hilfspakets im Mai 2010 durchaus etwas bewegt.
    ------------------
    Ja klar, hat sich eine Menge bewegt. Die ganz normalen Bürger wurden in die Armut geschickt.
    Mütter müssen ihre Kinder in Heimen abgeben, weil sie sie nicht mehr erähren können
    Das ist doch wirklich ein toller Erfolg

  • @MoyaStLeger
    Ihr Eindruck, daß die Deutschen den Euro begrüßt hätten, ist völlig FALSCH. Die deutsche Bevölkerung wollte den Euro mehrheitlich NIE.
    Man sieht hier in Deutschland die Unzulänglichkeiten der Möglichkeit der demokratischen Mitwirkung der Bevölkerung; der Euro war ein "politisches Projekt" einer kleinen Pseudo-Elite, die die deutsche Bevölkerung in den Euro gezwungen hat. Ein Volksentscheid hätte ein gegenteiliges Ergebnis gebracht.
    Sie sind Zeuge des unappetitlichen DEUTSCHEN Wesens, das aufgeht in "politischen Projekten"; unsere Politiker uns Eliten haben offensichtlich noch die gleichen Wurzeln wie die Nazis sie hatten - gefühlsschwanger und romantisch mit DEUTSCHER Überheblichkeit, DEUTSCHEN Größenwahn und DEUTSCHER Selbstüberschätzung das Volk ein weiteres Mal in die absolute Katastrophe zu führen.
    Die Engländer und Amerikaner sind allerdings NICHT unschuldig!! Die angloamerikanischen Zockerbanden der Großbanken verdienen nämlich prächtig daran, daß Deutschland gezwungen wird, die Schulden der FPIGS zu übernehmen und daran zu krepieren. Das politische "Problem" kommt hinterher - der wer sollte es den Deutschen dann verdenken, daß sie einfach "die Schnauze voll" haben?
    Wenn England und die USA etwas taugten, dann hätten sie sichergestellt, daß Deutschland die Eurozone verläßt! Sie aber beteiligen sich aktiv an der Vernichtung Deutschlands für ein "politisches Projekt"!

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