Euro-Rettung: Weidmanns Mahnung ist richtig

Euro-Rettung
Weidmanns Mahnung ist richtig

Mit drei Geldkanonen bekämpft die EZB die Euro-Krise. Die Euro-Retter aus der Notenbank haben dabei jedes Maß verloren. Deshalb liegt Bundesbank-Präsident Weidmann mit seiner Kritik an der Strategie genau richtig.
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DüsseldorfIn der Kriegsführung gibt es die Strategie der Übermacht („overwhelming force“), mit der man den Gegner in die Knie zwingt. Dieser militärische Gedanke steckt auch hinter dem Wunsch, den Krisenherd in der Euro-Zone mit einer Übermacht von Geld ein für alle Mal zu löschen. Deshalb sprechen die Euro-Retter auch ständig von der „big bazooka“ oder – den Deutschen besser vertraut – der „Dicken Bertha“.

Jetzt haben die Rettungskräfte aus Europäischer Zentralbank (EZB) und Politik jedoch jedes Maß verloren. Gibt es doch inzwischen drei „bazookas“: Da ist zunächst die dreijährige Liquiditätshilfe für die Banken, die von der EZB gerade auf über eine Billion Euro gesteigert wurde. Dazu kommen die europäischen Rettungsschirme EFSF und ESM, die nach anfänglichem Widerstand jetzt wohl auch mit Zustimmung der Bundesregierung und Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf bis zu 1,5 Billionen Euro aufgestockt werden könnten. Und schließlich gibt es noch die bislang gut versteckte „bazooka“, die gerade Bundesbank-Präsident Jens Weidmann den Schweiß auf die Stirn treibt. Dabei handelt es sich um rund 800 Milliarden Euro, die von der EZB über das Zahlungssystem der Notenbanken (Target2) in den Geldkreislauf der Euro-Zone gepumpt werden.

Zählt man alles zusammen, kommt man auf deutlich mehr als 3000000000000 Euro. Die amerikanische Notenbank, die von den Europäern für ihre unkonventionelle Lockerung („quantitative easing“) regelmäßig attackiert wird, kommt „nur“ auf gut zwei Billionen Dollar. Selbst wenn man die rund 700 Milliarden Dollar noch dazuzählt, die von den Amerikanern 2008 für die Rettung ihrer Banken ausgegeben wurden, ist die US-Lösung immer noch billiger.

Man kann, wie insbesondere viele angelsächsische Ökonomen und Politiker, gute Gründe dafür anführen, dass Europa eine „big bazooka“ braucht, um die Finanzmärkte von der Übermacht der Politik zu überzeugen. Doch drei Geldkanonen?

Die Dinge so zusammenzuzählen wird natürlich sofort Widerspruch hervorrufen. Zunächst von EZB-Präsident Draghi, der verbal penibel zwischen Hilfen für Banken (geboten) und Hilfen für Staaten (verboten) unterscheidet. Äußerungen von Bankern und schlichte Mathematik zeigen jedoch, dass die Grenzen fließend sind. Hat doch eine Reihe von Finanzhäusern die billigen Zentralbankkredite genutzt, um damit hochverzinsliche Staatsanleihen zu kaufen.

Auch die Euro-Finanzminister werden protestieren, da die Rettungsschirme angeblich begrenzt und ihre Auszahlungen an strikte Bedingungen geknüpft sind. Die Grenzen sind jedoch auch hier dehnbar, wie die ständige Erhöhung der Finanzmittel zeigt.

Auch bei der dritten „bazooka“, den Forderungen, welche die EZB über das Target-System gegenüber finanzschwachen Notenbanken hat, gibt es eine erstaunliche Kluft. Erst spielte die Bundesbank die Risiken im Zahlungssystem herunter, jetzt fordert ihr Präsident bessere Sicherheiten, damit vor allem die Deutschen am Ende nicht auf Ansprüchen von rund 500 Milliarden Euro sitzen bleiben.

Sosehr sich die Beteiligten auch bemühen, die drei Geldkanonen voneinander abzugrenzen, was zählt, ist ihre gemeinsame Feuerkraft, also das Geld, das damit in Bewegung gesetzt werden könnte. Wenn jeder aber nur auf seinen Teil der „Kampfzone“ gegen die Schuldenkrise schaut, kann er diesen Zusammenhang nicht erkennen.

Sollten die Euro-Staaten sich also jetzt dazu aufraffen, die Rettungsschirme zu vergrößern, müssen die Notenbanken möglichst schnell ihre Geldvermehrung stoppen. Weidmanns Mahnung kommt zwar spät, aber sie ist richtig. Und Draghi sollte ebenfalls seine Unterstützung für die Banken einstellen.

Es ist grotesk, aber wahr, dass uns gerade die gescholtenen Amerikaner vorgemacht haben, dass ein schneller, abgestimmter Einsatz von Notenbank und Politik effektiver und billiger ist als das, was Europas Kanoniere bislang geleistet haben.

Der Autor leitet das Ressort Meinung und Analyse. Sie erreichen ihn unter:

riecke@handelsblatt.com


Kommentare zu "Weidmanns Mahnung ist richtig"

Alle Kommentare
  • @ geschrei,
    lassen wir es einfach darauf ankommen!
    Leider wird es in Deutschland nicht genügend Idioten geben die den Schritt nicht als Selbstmord erkennen würden, also es wird wohl beim wishful thinking bleiben.

  • @Poilu: und auf das Geschrei bin ich gespannt, wenn D erklären würde, den Club verlassen zu wollen, haha. Dann kann man sich anhören, dass man eine Ratte ist, die das sinkende Schiff verlâsst. Das sie es eigentlich doch schon immer gewusst haben, wie asozial D wirklich ist....ein Südenbock ist ein Sündenbock, bis er keine Lust mehr dazu hat.

  • Die BUBA ist ja nun die überflüssigste Institution, die es in einem vereinigten Europa nicht mehr braucht. Alle geldpolitisch relevanten und wichtigen Entscheidungen im Euro-Raum werden zum Glück von der EZB getroffen.

    Herr Weidmann, lösen sie ihren Saftladen auf. Sie kosten uns Steuerzahler nur sinnlos Geld !

  • "Rettungsschirm vergrößern" und gleichzeitig "Geldvermehrung stoppen" ...?
    Das wäre die Quadratur des Kreises !

  • 1. Für alle Kanonen hat Herr Weidmann persönlich im EZB-Rat zugestimmt, wieso hat er dort nicht dagegen gestimmt? Weil er so ziemlich allein dagestanden wäre! Er ist halt feige und ein Heuchler!
    2.Die Situation Europas mit der in den USA zu Vergleichen zeigt, dass der Autor die Krise noch nicht richtig verstanden hat! Die USA können Staatsanleihen kaufen und damit die Zinsen ihrer Papiere drücken! Natürlich ist das billiger und effektiver, das versucht ja die ganze Welt schon der lieben Frau Merkel und ihrem Kollegen Weidmann zu erklären...
    3. Dass die Krise für die Europäer teurer wird als sie sollte verdanken wir nur der Frau Merkel mit ihrer Realitätsverweigerung! Dank ihr verdienen Banken ca. 1 Billion * 4% = 40 Milliarden Euro/pa, ohne dass sie irgendwas dafür leisten müssen!!! Und das Beste! Sie verkauft es ihren Wählern als großen Erfolg für den Deutschen Steuerzahler!!!

  • Das Volk zu enteignen und es den Banken zu geben, die die Märkte am laufen halten?
    2008 wurden die Bankeigner enteignet und die Bnaken hierüber mit Geld versorgt....war ja wohl ähnlich effektiv, aber meinem Gerechtigkeitsempfinden näher.

  • Der Deutsche Weidmann, als Besserwisser, kann mahnen soviel er will, solange er nicht eine bessere Lösung vorschlägt muss er aber die jetzige akzeptieren.
    Das Problem der Eurozone ist dass sie zu einer einfachen Freihandelszone zwischen ungleicher Partner missraten ist. Das kann nicht funktionieren und hier muss angesetzt werden.
    Die enorme Leistungsbilanzungleichgewichte, verursachte durch das Gesetz des Stärkeren die im Euroraum herrscht, sind das Problem.
    Solange diese Leistungsbilanzungleichgewichte nicht beseitigt sind, werden solche Maßnahmen unentbehrlich bleiben.
    Das Ziel und worum es hier geht ist Europa und nicht Deutschland. Deutschland ist einer der 17 Mitgliedern. Jeder Mitglied ist frei jeder Zeit die EU zu verlassen, Herr Weidmann!

  • Wenn freie Märkte von der Politik übernommen werden, nennt man das gemeinhin Sozialismus. In einem Rechtsstaat ist das Hinauszögern einer Pleite Insolvenzverschleppung und somit ein Fall für den Staatsanwalt.
    Pleiten dienen der Bereinigung eines Marktes. Wenn ein Marktteilnehmer ein zu hohes Risiko eingeht, wird ihn die Pleite für das nächste Mal eines Besseren belehren.
    Wenn aber nun der Staat und dazu noch von keiner Wahl legitimierte Bürokraten mit höchstem Risiko den Markt beherrschen wollen, um eine verfehlte Währungspolitik zu kaschieren, erinnert das doch stark an das Ende der Sowjetunion, wo die Wirklichkeit der Ideologie angepasst werden sollte.
    Der Steuerzahler wird in Zwangshaftung genommen und die Politik muß keine Verantwortung für diese Zockerei tragen. Deren Rente ist sicher.
    Da darf denn ein Bundesbankpräsident ruhig mal etwas mahnen. Das macht sich in einer "Demokratie" immer gut.

  • Weidmann entwickelt sich ja noch zum einsamen Rufer in der Wüste. Er sollte sich da doch besser und öffentlichkeitswirksamer inszenieren. Vorschlag: Wie weiland Theo West als "MahnMan" mit dem Megaphon vor die EZB und Draghi und seinem Laden den "Pannemann des Monats" verleihen: "Holt ihn euch ab, ihr habt ihn euch verdient!"

  • Die Mahnung ist richtig und notwendig, wird aber nichts nutzen.Der Bundesbankpräsident kann sich - wie schon sein Vorgänger Weber - nicht im EZB-Rat durchsetzen. Schliesslich hat er bei geldpolitischen Themen nur 1 Stimme, während die Eurokrisenstaaten Griechenland,Portugal,Irland und Spanien allein 4 Stimmen einbringen! Damit können diese Länder (und andere wie Italien) ihr Interesse an umfassenden Liquiditätshilfen der EZB zu günstigen Bedingungen leichter durchsetzen.
    Die einst als Stabilitätsunion gepriesene Währungsunion entpuppt gerät zunehmend auf eine schiefe Bahn. Die negativen Konsequenzen der derzeitigen Politik für die innere und äussere Stabilität werden erst mit Verzögerung sichtbar. Im Vordergrund steht jetzt erst einmal die Stabilisierung der Eurozone bzw die Verhinderung eines Flächenbrands

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