Europa
Stoppt die Jugendarbeitslosigkeit!

Jugendarbeitslosigkeit wird in der EU zu einem riesigen Problem. Die Lösung könnte betriebliche Berufsbildung sein, kommentiert die einstige s tellvertretende Vorsitzende des DGBs Ursula Engelen-Kefer.
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Während die Mitgliedsländer in der Europäischen Union um den EU-Fiskalpakt ringen, entwickelt sich die Jugendarbeitslosigkeit zu einer gefährlichen Zeitbombe. In Griechenland, Portugal und Spanien sind bereits etwa die Hälfte aller jungen Menschen (15 bis 24 Jahre) ohne Arbeit oder Ausbildung; in der EU insgesamt ist mehr als ein Fünftel der jungen Menschen arbeitslos. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) warnt: Auch in Europa sind junge Menschen – unabhängig von ihren Qualifikationen – die Opfer der Finanz- und Wirtschaftskrisen. Sie werden nicht mehr bereit sein, in eine lange und kostspielige Ausbildung zu investieren.

Dies ist sozial- und wirtschaftspolitisch verheerend. Alarmiert durch die dramatisch steigende Jugendarbeitslosigkeit, wird die EU-Kommission am 19. April ihre längst überfälligen Vorschläge zu Arbeitsmarktreformen vorlegen. Damit soll der Weg für einen „echten europäischen Arbeitsmarkt“ geebnet werden sowie ein wirksamer Einsatz der arbeitsmarktpolitischen Instrumente und die Verbesserung der Berufsbildung erfolgen.

Die Bundesrepublik hat sich bisher erfolgreich von dem Negativtrend in der EU bei der Jugendarbeitslosigkeit abkoppeln können: Mit 5,7 Prozent ist sie niedriger als vor der weltweiten Finanzkrise und liegt vor Österreich sowie den Niederlanden am untersten Ende in der EU. Allerdings ist auch in Deutschland nicht alles Gold, was glänzt. Zunächst gibt es infolge der demografischen Entwicklung erheblich weniger junge Menschen, die nach Ausbildung und Arbeit suchen, als in anderen Ländern. Die Kehrseite sind allerdings die Erhöhung der Altersstruktur auch auf dem Arbeitsmarkt und der sich in einzelnen Berufsbereichen abzeichnende Mangel an Fachkräften.

Darüber hinaus sind etwa 200000 Jugendliche immer noch in den sogenannten Warteschleifen, den vielfältigen berufsvorbereitenden Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit, oder ganz aus dem Arbeitsmarkt ausgeschieden. 1,5 Millionen junge Menschen (20 bis 30 Jahre) sind ohne abgeschlossene Berufsbildung prekär beschäftigt mit niedrigem Einkommen sowie einem hohen Risiko der Arbeitslosigkeit. Der Ausbildungspakt zwischen Bundesregierung und Wirtschaft, der bis 2014 fortgesetzt werden soll, muss sich stärker auf die nachhaltige Ausbildung und Eingliederung dieser benachteiligten Jugendlichen – insbesondere mit Migrationshintergrund – ausrichten.

Kommentare zu " Europa: Stoppt die Jugendarbeitslosigkeit!"

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  • 60 Mio. Fördermittel für nur 3700 Jugendliche über den Europäischen Sozialfonds und Bundesmittel... wenn wir alle in Europa nachher so ausbilden, wird das aber ein teurer Spaß --- ist das etwa nur für einen einzelnen 10 Wochen dauernden Baustein?? Wow!! Cooles Modell für ganz Europa --- für 10 Wochen Ausbildungsbaustein dann immer über 16216 Euro Subventionen ausschütten -- da freuen sich die Firmen...

    da freut sich auch Spanien - die kriegen das zwar mit aus dem Europ.Soz.Fonds teilweise, aber mir ist das zu teuer.

    Ich plädiere für eine Kombination Ausbildung Dänemark und Frankreich -- mit allgemeinbildenden Anteilen und Praktika von mir aus -- aber bitte alles mit Ausbildungsabgabe und natürlich Qualität im Sinne der Azubis.

    nachher gibts wohl europaweit nur billige Teilqualifikationen als bloßes Anlernen oder wie?

    Dann lieber schulisch ausbilden wie im Ausland ---

    zumindest in DE kommen noch mal Extra Subventionen für Ausbildungsbetriebe in Höhe von bis zu 6000 Euro, wenn man einen aus dem Übergangsdschungel ausbildet --- und dennoch bilden viele nicht aus -- so ist die Wirtschaft : die reißt einen beide Arme aus, wenn man ihnen die Hand gibt.

    und nach der Ausbildung übernimmt die dann trotzdem keiner - auch das kennt man ja schon. Und nicht vergessen: immer schön rumjammern wegen "Fachkräftemangel" an die Gemeinschaft der Gläubigen.

  • achja: mit den 17% liegt DE sogar europaweit im untersten Drittel -- also mit besonders viele Ungelernte -- wow - das ist ja ein tolles System -- und dann wirbt man überall mit den 5,7% oder wieviel es waren... man belügt sich selbst.

    und die Zahl der unter 24 jährigen ist eben auch geschönt - dafür sorgen die Maßnahmen -- die tauchen dann auch nicht in der Statistik auf.

    ich persönlich finde das Ausbildungssystem in Frankreich besser, wo die Kinder schulisch ausgebildet werden und ihr bac professionelle mitbekommen - so haben sie auch allgemeine Kompetenzen, die ihnen beim später eventuellen Studium weiterhelfen und sie dürfen auch immer weiter studieren. Damit macht man die Kinder flexibler und sie können leichter auch mal den Beruf wechseln, wenn nötig. Niemand kann sich mehr darauf verlassen immer nur denselben Beruf auszuüben - das wollen viele oft auch nicht. Natürlich gibts in Frankreich auch ein paar Praktika - aber das soll im Idealfall jeder selber entscheiden, wieviele er davon haben möchte.

    Deutschland ist mir mittlerweile zu praxisnah und zu theoriefern.

  • Seite 39 : http://www.landtag-bw.de/Gremien/Enquete_Fit_fuers_Leben/EK2-gesamt-neue_fassung.pdf

    selbst Abiturienten finden keine Lehrstelle.

    Seite 23: Anzahl der Betriebe, die Ausbildung anbieten - mittlerweile sogar weiter gesunken auf 22,5%

    und alles der Wirtschaft zu überlassen ist verantwortungslos und einmalig - das macht sonst überall der Staat und dieser regelt das!

    und 60 Mio fürs Anlernen in Bausteinen? Schon wieder eine Subvention an die Wirtschaft, die in Dänemark Ausbildungsabgabe zahlen muss!

    und wenn DE immer weiter die Berufs"bildung" vorverlegt - in Bayern sind sie schon in klasse 5 angekommen - dann wird vielen in DE irgendwann Allgemeinbildung fehlen. Da sind die 11 Jahre alt -- im ziviliserten Ausland lernt man in diesem Alter Allgemeinbildung und "Berufsorientierung" kommt in vielen Ländern erst ab Klasse 10. Das hat seinen Grund auch im technischen Fortschritt - jeder Arbeitsplatz ist heute beides: theoretisch und praktisch orientiert - überall PC-Kenntnisse erforderlich etc... das Weltwissen verdoppelt sich alle 5 Jahre - wir gehen immer noch von der Situation der 1950er Jahre aus -- Berufe haben sich verändert - das Schulsystem ist nicht darauf eingstellt -- der 15-16jährige Hauptschüler kann gar nichts mehr finden.

    es kommen selbst Abiturienten oft nicht in Ausbildung. Des Weiteren ist das ganze Gespräch dort skandalös!

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