Europäische Bahnen
Schnelle Allianz

Mit Allianzen sind die Fluggesellschaften seit Jahren erfolgreich – besonders bei Vielfliegern, die fleißig Meilen sammeln und Anschlussflüge schätzen. Sechs europäische Bahnen, darunter die Deutsche, eifern ihrer himmlischen Konkurrenz nun nach. Doch nationale Eitelkeiten behindern das Zusammenwachsen auf der Schiene. Eine Analyse.

Kurz vor Ostern fuhr Frankreichs Schienenstolz TGV einen neuen Weltrekord. Ein eigens zusammengestellter Versuchszug erreichte weit über 500 km/h. Einer der ersten Gratulanten per Presseerklärung war die Deutsche Bahn, die mit dem ICE bisher „nur“ die 400er -Marke überschritten hatte. In früheren Zeiten wäre das Ereignis in Frankreich den Deutschen kaum eine Zeile wert gewesen. Nun verdeutlichen die anerkennenden Worte aus Berlin den Klimawandel zwischen den beiden großen (Noch-)Staatsbahnen.

Zwar arbeiten sie seit mehr als einem Jahrhundert im grenzüberschreitenden Verkehr mehr oder weniger gut zusammen, doch im prestigeträchtigen Segment der Hochgeschwindigkeitszüge gab es bisher eher Rivalität und Misstrauen. So waren die technische Anpassung und amtliche Zulassung des ICE für französische Schnellstrecken ein jahrelanges, millionenteures und von vielen mentalen wie politischen Komplikationen begleitetes Abenteuer, das oft genug am seidenen Faden hing.

Das scheint nun vorbei. Auf der neuen französischen Strecke von Paris nach Lothringen werden sich künftig TGV und ICE abwechselnd die Gleise teilen, beide bis zu 320 km/h schnell. Die Franzosen werden über Straßburg vorerst bis nach Stuttgart fahren, die Deutschen bedienen Frankfurt – Paris via Saarbrücken.

Das ist im komplizierten Miteinander der Bahnen schon eine ganze Menge und doch nur ein Kompromiss. Bahnchef Hartmut Mehdorn, im Vorfeld des anvisierten Börsengangs sicher kostenbewusster als das französische Bahn-Management, hätte gerne den „Airbus auf Schienen“ für den Hochgeschwindigkeitsverkehr über die Grenzen hinweg eingekauft. Ihm schwebte ein einheitlicher Zug vor, den nicht nur diese beiden Bahnen, sondern auch andere Betreiber für weitere Schnellbahnlinien hätten ordern können. Größere Stückzahlen in der Produktion hätten Kostenvorteile versprochen, war das Kalkül.

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