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Explosives Gemisch

Die Private-Equity-Branche floriert. Das dokumentiert die Milliardenofferte für den Stromriesen TXU in den USA.

Weltweit gibt es kaum eine Übernahme, bei der nicht Finanzinvestoren mit im Boot sitzen. Das sollten eigentlich gute Rahmenbedingungen sein, wenn die Crème de la Crème der Branche ab heute in Frankfurt zu ihrem großen Jahrestreffen „Super Return“ zusammenkommt. Doch über dem Spitzentreffen, von bösen Zungen auch als „Weltarmutsgipfel“ tituliert, ziehen dunkle Wolken auf. Es mehren sich Zeichen, dass der Übernahmeboom bald zu Ende gehen wird. Zwar werden wir auch in den kommenden Monaten in Deutschland Übernahmen mit Beteiligung von Private-Equity-Fonds sehen. Doch die deutschen Konzerne haben ihre Aufräumarbeiten weitgehend abgeschlossen, die Randbereiche sind verkauft. Damit werden die wichtigen großen Abspaltungen, die Buy-outs, rar. Für die auf Milliarden sitzenden Finanzinvestoren ist das eine schlechte Nachricht.

Die Folge: Die Fonds werden sich noch stärker als bisher um die wenigen großen Deals schlagen und gegenseitig die Preise in die Höhe treiben. Dabei sind die Dimensionen, in welche die Finanzinvestoren vorstoßen, schon heute abenteuerlich. 40 Milliarden Euro wollten sie für den französischen Riesen Vivendi auf den Tisch legen. Längst sind aus vielen Private-Equity-Firmen riesige Konglomerate geworden. Ob die mit einer in den meisten Fällen mittelständischen Infrastruktur gesteuert werden können, ist aber zweifelhaft.

Gleichzeitig steigen die Zinsen. Damit wird das geliehene Geld teurer. Dazu werden die Banken vorsichtiger beim Geldverleih. Zu guter Letzt sind auch die Finanzkontrolleure und die Bundesregierung auf das in Deutschland nahezu unkontrollierte Treiben der Finanzinvestoren aufmerksam geworden. Strenge regulatorische Auflagen sind nur noch eine Frage der Zeit. All das bildet ein explosives Gemisch. Die Beteiligten müssen daher rasch reagieren. Das bedeutet: Private-Equity-Firmen müssen endlich ihre Schutzzäune einreißen. Sie müssen transparenter werden, Fragen nach ihrer Strategie, nach ihren Finanzierungsmodellen und vor allem nach ihren Plänen mit den gekauften Firmen beantworten. Angekündigt hatten sie all das bereits nach der unsäglichen Heuschreckendebatte. Geschehen ist bis heute nichts. Doch auch hier gilt: Nur wer offen ist, darf auf gesellschaftliche Akzeptanz hoffen – nur wer akzeptiert wird, hat langfristig eine Überlebenschance.

Aber auch die Politik muss rasch aktiv werden, muss verlässliche Rahmenbedingungen schaffen. Das heißt nicht automatisch „Steuerfreiheit“ für Private Equity. Auch in anderen Ländern greift der Fiskus zu, in Großbritannien wird über zusätzliche Steuern debattiert. Aber der steuerliche Rahmen muss Luft für Wettbewerb lassen. Und es müssen durchdachte Auflagen her, um den Finanzinvestoren ein rechtlich sauber abgestecktes Betätigungsfeld bieten zu können.Es geht nicht darum, die „Heuschrecken“ fern zu halten. Es geht darum, ihre wichtige volkswirtschaftliche Rolle langfristig zu sichern. Ansonsten droht dem deutschen Kapitalmarkt der Absturz in die Provinz.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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