Exportförderung
Rösler entdeckt den "Dschörmen Middelständ“

Jetzt wissen wir endlich, was dem deutschen Mittelstand fehlt, um sich im Ausland durchzusetzen: Eine schöne Dachmarke. Wie gut dass es den Wirtschaftsminister gibt, der die wahren Probleme im Blick hat. Ein Kommentar
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Der Bundeswirtschaftsminister hat wirklich ein Talent, Initiativen zur richtigen Zeit zu starten. Griechenland feilscht mit der Troika aus EU, IWF und EZB um einen Schuldenschnitt, die Bundeskanzlerin kämpft um die Rettung des Euros, die Zahl der Insolvenzen steigt auch in Deutschland wieder und was macht Philipp Rösler? Richtig: Er wirbt für eine neue Dachmarke „German Mittelstand“.

Diese neue Marke, so Rösler, soll kleineren Unternehmen dabei helfen, sich noch stärker auf europäischen und internationalen Märkten zu etablieren. „Wir haben das erklärte Ziel, diesen Mittelstand auf besondere Weise zu unterstützen“, jubelt der Minister nach einem Treffen mit gut einem Dutzend mittelständischer Unternehmer.

Allein die sprachlich verquere Denglish-Kombination müsste Rösler schon deutlich machen, dass er sich mit dieser Initiative nur lächerlich machen kann. Wie spricht man das überhaupt aus? „Dschörmen Middelständ“ klingt ja wie aus einem unfreiwillig komischen Oettinger-Youtube-Video. Da kann man nur für ihn hoffen, dass seinen Auftritt vor den Mittelständlern niemand gefilmt hat.

Der deutsche Mittelstand braucht viel. Er braucht eine Steuergesetzgebung, die die Eigenkapitalbildung in den Unternehmen fördert. Er braucht ein gesundes Bankensystem, das willens und in der Lage ist, kleine und mittlere Unternehmen mit Krediten zu unterstützen. Er braucht ein funktionierendes Bildungssystem, aus dem er qualifizierte neue Mitarbeiter rekrutieren kann. Und er braucht einen Wirtschaftsminister, der bei seinen Entscheidungen konsequent die Interessen der Unternehmen im Blick hat, die den größten Teil der Wirtschaftskraft und der Arbeitsplätze in Deutschland schaffen.

Was er wirklich nicht braucht ist eine alberne Dachmarke für die Auslandsmärkte, mit der im Zweifel außerhalb Deutschlands niemand etwas anfangen kann. Erfolg auf Auslandsmärkten haben Unternehmen, die gefragte und innovative Produkte haben, ihre Kunden kennen und einen effektiven Vertrieb aufbauen. Röslers Sonntagsreden vom „German Mittelstand“ sind dabei sicherlich keine Hilfe.

Da wundert es nicht mehr, dass Rösler - und mit ihm seine Partei FDP - in der Wirtschaft dramatisch an Rückhalt verloren haben. Nach einer repräsentativen Umfrage unter deutschen Führungskräften, die Forsa im Auftrag des Handelsblatts durchgeführt hat, sind 62 Prozent der Befragten der Meinung, die FDP habe keine politische Zukunft mehr. Gar 89 Prozent der befragten Top-Manager trauen Rösler nicht mehr zu, als Parteichef die FDP aus der Krise zu führen. Das zeigt erschreckend, wie weit weg der Wirtschaftsminister von den Problemen der Mittelständler ist.

Es packen einen böse Ahnungen, welches Projekt Rösler wohl als nächstes anpackt. Wahrscheinlich wird er rasch den Begriff „German Soziale Marktwirtschaft“ als Marke schützen lassen und sich damit als echter Erbe Ludwig Erhards feiern lassen. Dann könnte er als Antwort auf Pisa den schlechten Ruf des deutschen Bildungssystems im Ausland mit der Etablierung der Marke „German Berufsschule“ oder besser noch „German Gymnasium“ aufpolieren. „German Karneval“ wäre zu dieser Jahreszeit wahrscheinlich auch ein echter Exportschlager.

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Exportförderung: Rösler entdeckt den "Dschörmen Middelständ“"

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  • ...und der Mittelstand braucht auch Nachfolger,welche betriebswirtschaftlich fit und finanziell in der Lage sind, einen Betrieb zu übernehmen. Das Gerede um Neugründungen wäre dann gar nicht nötig.
    Bakerman

  • Als kanadischer deutsch->englisch Übersetzer kann ich dazu nur sagen, daß dies im Ausland ganz einfach nicht verstanden wird. Ist das denn etwa für deutschsprechende Leute gemeint, die im Ausland wohnen? Warum gleich nicht alles ins Englische übersetzen? Ich kann es einfach nicht fassen.

  • Ein partiell Irrer. Der hat noch nicht eine richtige Frage zu den Problemen der FDP gestellt und glaubt er habe Antworten.

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