EZB
Alarmstimmung

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Als der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, gestern vor Journalisten ans Mikrofon trat, donnerte es – gerade so, als wollte der Himmel ihm Gehör verschaffen. Der EZB-Chef appellierte eindringlich an die Marktteilnehmer, unter den momentanen Bedingungen erhöhter Marktschwankungen „gelassen zu bleiben und ruhig Blut zu bewahren“. Mit Blick auf die Situation in Deutschland schloss sich Trichet wiederholt den Worten des Bundesbankpräsidenten an. Axel Weber hatte am Mittwoch zu beruhigen versucht, „mögliche Wertverluste in den Portfolios können verkraftet werden, eventuelle Risiken wären damit abgeschirmt“.

Täuschen wir uns nicht. Wenn Notenbanker in dieser Weise versuchen, die Märkte zu beruhigen, dann ist Gefahr im Verzug. Nicht, dass die Ereignisse der letzten Tage sie kalt erwischt hätten. Seit Monaten weichen sie öffentlichen Stellungnahmen zur Stabilität der Finanzmärkte aus. Schon im April hieß es hinter den Kulissen: „Wenn wir jetzt warnen, dann lösen wir bei vielen Marktteilnehmern vorsichtiges Verhalten aus. Und dann stößt uns genau das über den Rand der Klippe.“

Es ist sicher richtig, dass die durch die Globalisierung veränderte Welt und die vielen Innovationen an den Finanzmärkten ganz neue Bedingungen geschaffen haben, wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich immer wieder betont. Es ist aber auch wahr, dass die Notenbanken viele der neuen Entwicklungen dadurch ermöglicht haben, dass sie über Jahre mehr Liquidität zur Verfügung gestellt haben, als zur Finanzierung des Wachstums nötig gewesen wäre. Wenn der Kelch der Krise diesmal nicht an den Finanzmärkten vorübergeht, werden die Währungshüter darüber Rechenschaft ablegen müssen.

Marietta Kurm-Engels
Marietta Kurm-Engels
Handelsblatt / Redakteurin

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