EZB-Anleihekauf: Draghis Droge

EZB-Anleihekauf
Draghis Droge

Die Europäische Zentralbank (EZB) und ihr Präsident Mario Draghi fluten jene Länder, über deren Währung sie herrschen, mit einer gigantischen Geldsumme. Sie verhindern damit Reformen – und das macht uns Europäer arm.
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Ich glaube nicht an diese Medizin. Der Euroraum leidet darunter, dass einzelne Länder mehr ausgeben als sie verdienen. Das Medikament, das Mario Draghi dagegen heute verabreicht hat, heißt: Wir erleichtern euch das Schuldenmachen. Das ist so, als würde ein Alkoholiker zum Freibier eingeladen. Es ist so, als würde ein Junkie mit kostenlosem Stoff versorgt, damit er für die nächste Spritze nicht mehr klauen gehen muss. Es ist auf jeden Fall die falsche Medizin.

Natürlich gibt es heute welche, die Draghi, diesem Teufelskerl, gratulieren. Und natürlich haben sie Argumente auf ihrer Seite, die in Draghis Ohren prima klingen mögen: Der Mann hält die Zinsen niedrig und erleichtert damit die Kreditvergabe. Keine Bank soll einen Unternehmer ausbremsen, indem sie, anstatt ihm einen Kredit zu gewähren, das Geld lieber unproduktiv zu einem ordentlichen Zinssatz anlegt. Der Mann bringt den Eurokurs nach unten und sorgt damit für einen Konjunktur-Turbo, der durch staatliche Investitionsprogramme nur ungleich teurer zu erkaufen wäre.

Jeder Exporteur im Euroraum wird ihm dafür auf Knien danken. Und nicht vergessen: Draghi ölt vor allem die Scharniere der Wirtschaft - nämlich die Banken. Sie haben sich mit Staatsanleihen vollgesogen und die EZB sorgt nun durch ihr Ankaufprogramm dafür, dass der Wert dieser Anleihen noch steigt. Das hilft jeder Bankbilanz und glättet die Sorgenfalten einer ganzen Branche.

Es gibt auch die Nachdenklichen, die heute von Draghis großem Experiment sprechen. Die auf vergleichbare Programme der US-Notenbank verweisen und feststellen: In den USA sind sie derzeit von Erfolg gekrönt. Die Nachdenklichen warnen zwar vor der Geldpolitik mit der Brechstange, sie räumen aber ein, dass der Einsatz einer Brechstange mitunter zum Ziel führt.

Ich lehne das alles ab. Ich behaupte: Draghi ist kein Teufelskerl, er ist des Teufels. Die EZB-Politik des unbegrenzten Geldausgebens belastet Sparer und bestraft damit einseitig ein Verhalten, das die Wirtschaft braucht, um zu funktionieren: Wir können nicht nur ausgeben, sondern wir müssen auch Vorräte anlegen. Wo Geld durch keine Werte hinterlegt wird, ist Geld irgendwann nichts mehr wert.

Der Mann ist des Teufels, weil er unsere Altersvorsorge zum Witz macht. Jeder Staat im Euroraum hält seine Bürger an, selbst für ihr Alter vorzusorgen. Die EZB unterwandert diese Aufforderung, weil sie allen Sparprodukten, die auf sicheren Zinsen beruhen, das Wasser abgräbt. Wenn Mario Draghi einst seine Rente in der Toskana verfrühstückt, sitzt er dort als einsamer Mann, weil sich die übrigen Europäer diesen Traum im Alter nicht mehr leisten können. Die EZB schafft mit ihrer Politik ein Meer von armen Ruheständlern.

Schließlich: Die EZB-Entscheidung verhindert Reformen dort, wo sie dringend sein müssen. Staaten können weiter über ihre Verhältnisse leben und die Banken helfen ihnen dabei. Anstatt dass der eine den anderen beaufsichtigt, stecken beide unter einer Decke. Die Schuldenmacher in den Regierungssesseln haben ihre willfährigen Helfer in den Teppichetagen der Banken. Und wenn die in ihren Zahlen mal wieder nur noch rotsehen, können sie sich auf jene verlassen, die sie zuvor doch stets gestützt haben. Zugedeckt wird dieses Treiben mit dem eine Billion Euro schweren Mantel, mit dem die EZB nun den Euroraum gnädig umhüllt.

Nein, ich glaube nicht an Draghis Droge. Vielleicht hebt sie für den Moment die Stimmung, aber mir graut vor dem Kater.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " EZB-Anleihekauf: Draghis Droge"

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  • Hallo Herr Stock,

    ich bin wirklich überrascht über den Meinungsschwenk.

    Bringen Sie sich nun "in Stellung", damit man zukünftig mal sagen kann "ich habe das schon immer kritisch gesehen".....

    Nein - so kann das nicht laufen !!!!

    In Vorfeld wäre das Vertreten eines Standpunktes abseits des "Mainstream" oder kritisches Beleuchten der Risiken sinnvoll gewesen.
    Dann wären ggf. mal ein paar Leute mehr "aufgewacht" und diese Typen hätten evtl. nicht so einfach machen können was sie wollen und nun getan haben.

    In anderem Bezug hat man solches Verhalten mal als "Wendehals" tituliert.

    Denken Sie mal darüber nach.......

    MfG

    Jürgen Bertram

  • Sie begreifen es, aber es ist nicht ihr Vermögen, das vernichtet wird.

  • Wer trägt das Risiko, wenn am Wochenende die Griechen die Kommunisten gewinnen und einen Schuldenschnitt wollen/ihr Schulden nicht bedienen, die ja die EZB gekauft haben wird? Am Ende doch der dt. Steuerzahler in Relation seines Kapitalanteils an der EZB,oder?

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