EZB
Vorsicht regiert

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Bloß nichts falsch machen. Bloß die Märkte nicht noch nervöser machen. Das schien das Motto zu sein, unter das der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) seine Pressekonferenz am Donnerstag gestellt hat.

Naiven Gemütern wäre es nachzusehen, wenn sie gedacht hätten, derjenige, der den Titel „Mr. Euro“ für sich reklamiert, würde Stellung beziehen, wenn der Euro auf ein Allzeithoch über 1,47 Dollar steigt. Doch im Statement des EZB-Rats kommt das Wort Euro oder Wechselkurs nicht vor. Aber auf Nachfragen rief Trichet immerhin seine früher recht wirksame Warnung vor „brutalen“ Wechselkursveränderung in Erinnerung, was dazu beitrug, dass die Devisenhändler immerhin nicht inspiriert wurden ungehemmt Euro zu kaufen.

Die Erklärung des EZB-Rats, die der von vor einem Monat in den wichtigen Passagen fast aufs Haar glich zeigt, dass die eindringlichen Inflationswarnungen von Bundesbankpräsident Axel Weber und anderen nicht wirklich ernst zu nehmen sind, zumindest nicht als Indiz für eine anstehende Zinserhöhung. Sie dienen wohl eher dazu zu verhindern, dass sich Zinssenkungsspekulationen breit machen. Trichet machte vielmehr indirekt deutlich, dass die derzeit mit 2,6 Prozent zu hohe Inflationsrate erst dann zu einem zinspolitisch relevanten Problem für die EZB würde, wenn die Inflationserwartungen für die Zukunft davon nachhaltig beeinflusste würden.

Selbst auf Nachfragen sagte Trichet nichts um die Finanzmarktteilnehmer davon zu überzeugen, dass sie falsch liegen, wenn sie fest davon ausgehen, dass die EZB auf viele Monate hinaus ihren Leitzins nicht ändern wird. Wenn „bloß nichts falsch und bloß niemand nervös machen die Devise war“, dann hat Trichet seine Aufgabe mit Bravour gemeistert.

haering@handelsblatt.com

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

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