Fachkräftemangel
Bitterer Ernst

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Wieder einmal hat der IT-Branchenverband Bitkom das Klagelied angestimmt: 43000 IT-Fachkräfte sollen in Deutschland fehlen. Klingt vertraut. Seit Jahr und Tag setzen die Industrieverbände das Thema auf die Tagesordnung. Gerade erst schlug der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) Alarm. Das Thema klingt abgedroschen, irgendwie ausgelutscht. Fast möchte man den Unternehmen in Verdrehung eines alten Sprichworts zurufen: „Lerne zu leiden, ohne zu klagen.“ Doch dazu ist die Lage viel zu ernst.

Auf über eine Milliarde Euro schätzt der Bitkom den Umsatz, der in den vergangenen zwölf Monaten durch den Mangel an Mitarbeitern verloren gegangen ist. Das Institut der deutschen Wirtschaft gibt für die gesamte deutsche Wirtschaft einen Wertschöpfungsverlust von 18,5 Milliarden Euro an, der DIHK nennt sogar satte 23 Milliarden Euro.

Und doch wird der ewige Ruf nach Vater Staat nicht nur wenig helfen, er greift vor allem viel zu kurz. Es sind die Unternehmen selbst, die in der Pflicht sind. In Zeiten schwindender Gewinne und wachsender Probleme haben sie die Ausbildung des Nachwuchses fast auf null zurückgefahren, häufig als Tribut an die kurzfristig denkenden Kapitalmärkte. Das rächt sich auf fast schon brutale Art und Weise. Wenn mittlerweile ganze Firmen gekauft werden, um den eigenen Personalnotstand zu mindern, zeigt sich das wahre Ausmaß des Dilemmas.

Statt immer wieder auf die Politik zu zeigen, sollten die Unternehmen die Lehren aus dem Debakel ziehen. Denn der künftige Spitzenplatz in der Weltwirtschaft entscheidet sich an zwei Fronten: an dem Kampf um Rohstoffe und am „Human Capital“. Bei den Rohstoffen, das wissen wir alle, kann Deutschland nicht gewinnen.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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