Familienpolitik
Klare Worte

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Die OECD hat es erfrischend klar auf den Punkt gebracht: Deutschland macht mit sehr viel Geld eine kontraproduktive Familienpolitik – und die von Ursula von der Leyen mit viel Schweiß begonnenen Reformen können erst der Anfang zur Besserung sein.

In Deutschland wird das Thema immer noch abschreckend realitätsblind diskutiert. Vor allem, weil Konservative ihr Familienbild bedroht sehen und nicht wenige Männer auch künftig gern Hauptverdiener sein und die Kindererziehung hauptsächlich den Frauen überlassen möchten. Das wird sich auch wieder beim Parteitag der CDU zeigen, die so gern gleichzeitig konservativ und modern sein möchte.

Da tut die ökonomische Argumentation der OECD gut: Wer heute erreichen will, dass mehr Kinder geboren werden, muss eine verlässliche Kette der Betreuung aufbauen, um Frauen wie Männern zu ermöglichen, schnell in den Beruf zurückzukehren und dort auch einsatzfähig und erfolgreich zu sein.

Das wirkt gleichzeitig vorbeugend gegen sozialen Abstieg und Kinderarmut: Familien mit zwei Verdienern sind finanziell stabiler als Ein-Verdiener-Familien. Außerdem mildert eine höhere Erwerbsquote der Frauen die Erosion der Sozialkassen. Die Betreuung muss aber nicht nur bei den kleinen Kindern massiv ausgebaut werden. Es fehlt auch an Schüler-Horten. Nur für Grundschüler gibt es einige wenige Angebote, Eltern von Elf- und Zwölfjährigen werden völlig allein gelassen.

Das nötige Geld muss der Staat, will er es nicht oben drauflegen, bei Steuervorteilen und Zuschüssen einsparen. Das bietet sich ohnehin an, sagt die OECD. Denn Ehegattensplitting und Betreuungsgeld fördern unterm Strich die Hausfrauenehe. Das kann man weiterhin tun – darf dann aber nicht mit mehr Geburten rechnen.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

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