Familienunternehmen
Kommentar: Anders, nicht besser

Unternehmen jenseits der Börse wachsen nicht unbedingt so schnell wie die börsennotierte Konkurrenz. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Folge einer anderen Strategie.
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Die größten deutschen Familienunternehmen sind zuletzt nicht so kräftig gewachsen wie die börsennotierte Konkurrenz. Ist dies ein alarmierendes Signal aus dem Herzen der deutschen Wirtschaft? Mitnichten. Nicht nur, weil das durchschnittliche Wachstum der Firmen fernab der Börse mit zehn Prozent ordentlich ist. Sondern auch, weil es von einer gesunden, logischen Entwicklung zeugt.

Familienunternehmen sind anderen Risiken und Erwartungen ausgesetzt als die börsennotierten Publikumsgesellschaften. Daraus ergeben sich entsprechend andere Strategien. Oberstes Ziel ist der langfristige Erhalt der Firma. Jeder Unternehmer möchte sein Werk gesund an die nächste Generation weitergeben und schreckt deshalb vor risikoreichen Schritten zurück - so wie es große Übernahmen nun einmal sind.

Ausnahmen gibt es, wie die Machtübernahme von Haniel bei Metro zeigt. Insgesamt aber machen Familienunternehmen beim Fusionspoker aus gutem Grund nicht mit. Es würde ihre finanziellen und kulturellen Ressourcen übersteigen und den Garant für ihre Unabhängigkeit gefährden: die hohe Eigenkapitalquote.

Anders ist dies bei börsennotierten Firmen. Der Druck vonseiten der Anleger und Analysten führt vielfach zur Flucht nach vorn. Spektakuläre Übernahmen treiben die Kurse, bringen Glanz auf das Management und sorgen für hohe Wachstumssprünge. Die Bedingungen des Aktienmarktes erlauben ihnen diesen Schritt.

Damit ist aber kein Urteil darüber gefällt, welche der Strategien besser ist. Die Handlungsweise wird zum guten Teil durch die Rahmenbedingungen der sehr unterschiedlichen Systeme "Familienunternehmen" und "börsennotierte Publikumsgesellschaft" bestimmt. Was bedeutet: Familienunternehmen sind anders, aber nicht unbedingt besser.

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