FDP-Analyse
Röslers bitterer Sieg

Philipp Rösler hat einen Etappensieg erzielt, doch das Grundproblem bleibt: Dem FDP-Vorsitzenden fehlt die politische Kraft, um der daniederliegenden Partei neues Leben einzuhauchen. Röslers Countdown läuft.
  • 6

Philipp Rösler hat lediglich Zeit gewonnen. Die Basis ist dem FDP-Vorsitzenden beim Mitgliederentscheid gegen den Euro-Rebellen Frank Schäffler zwar gefolgt. Doch das Ergebnis fiel denkbar knapp aus. Für den Antrag des Vorstands stimmten 54,4 Prozent der Befragten, für den Antrag des Euro-Rebellen Frank Schäffler 44,2 Prozent. Rösler mag das Ergebnis als Bestätigung seiner Linie feiern, doch zurück bleibt eine Partei, die nicht nur in der Euro-Frage tief verunsichert ist.

Mehr denn je bräuchten die zerstrittenen Liberalen jetzt einen starken Vorsitzenden, der die Partei eint. Doch davon ist Rösler weit entfernt. Weder die eigenen Leute noch die Bürger trauen ihm die politische Kraft zu, die schlingernde FDP wieder auf Kurs zu bringen. Nicht einmal mehr als ein Viertel der Menschen glaubt, dass Rösler die Partei gut führt. Da kommt fast Sehnsucht nach Guido Westerwelle auf.

Eine vernichtende Beurteilung eines blutleeren Vorsitzenden, der einer total erschöpften Partei wieder neues Leben einhauchen müsste. Selbst jenen, die es mit dem sympathischen Rösler gut meinen, fällt nicht ein, wie er es schaffen könnte. Und die parteiinternen Kritiker weiden sich an der Schwäche des Parteichefs. Der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki erklärte jede Stimme gegen den ESM für eine Stimme gegen die Parteiführung. Wer solche Parteifreunde hat, braucht keine Feinde mehr.

Zur internen Zerstrittenheit der FDP kommt das Problem der katastrophalen Außenwirkung. Obwohl eine gewichtige liberale Stimme dringend gebraucht wird, schafft es Rösler nicht, die Steilvorlagen der anderen Parteien für die FDP zu nutzen. SPD und Grüne setzen auf Leistungsfeindlichkeit, wollen die Steuern erhöhen. Die CDU sozialdemokratisiert sich weiter, arbeit emsig an Mindestlöhnen. Doch Röslers Stimme dringt nicht mehr durch. Wenn stellvertretende Parteivorsitzende davon sprechen, die FDP habe einen noch nie erreichten „Lächerlichkeitsgrad“ erreicht, muss man das eigentlich nicht mehr weiter kommentieren.

Rösler rief die Partei heute auf, nach den Querelen der vergangenen Wochen „geschlossen nach vorn zu schauen“. Zugleich kündigte er einen inhaltlichen Neustart der Liberalen auf dem traditionellen Dreikönigstreffen der FDP in Stuttgart an. Dann wird er versprechen: Ab jetzt wird wirklich geliefert.“ Ein Lacher, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

Kommentare zu " FDP-Analyse: Röslers bitterer Sieg"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Rösler...Rösler? Hmm, wer war das doch gleich noch mal? Ich komme einfach nicht drauf...

  • wenn jemand die Politik mit einem Pizzaservice verwechselt ("wir werden Liefern"), dann hat er seine Funktion nicht verstanden. Es ist unmenschlich, den Mann noch weiter zu beschädigen. Er sollte zurücktreten.

  • Es ist aus für den Praktikanten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%