Federal Reserve
Offenes Rennen

Heute wird die amerikanische Notenbank die Leitzinsen aller Voraussicht nach ein weiteres Mal um 0,25 Prozentpunkte auf dann 3,5 Prozent erhöhen. Es wäre die zehnte Zinserhöhung in Folge seit Juni vergangenen Jahres.

Die Wall Street erwartet mindestens noch zwei weitere dieser „maßvollen“ Schritte, bis die Federal Reserve (Fed) die Zinsen auf ein konjunkturneutrales Niveau gebracht hat. Die amerikanische Geldpolitik bleibt in den kommenden Monaten auf Autopilot.

Dass an den Finanzmärkten dennoch eine nervöse Anspannung herrscht, liegt an dem bevorstehenden Wechsel an der Fed-Spitze. Alan Greenspan wird Anfang nächsten Jahres nach mehr als 18 Jahren den Steuerknüppel der größten Volkswirtschaft der Welt aus der Hand geben. In dieser Zeit hat der 79-Jährige wie kaum ein anderer Zentralbanker die amerikanische und internationale Geldpolitik geprägt. Kein Wunder, dass sich die Finanzwelt nun die bange Frage stellt: Wer und was kommt nach Greenspan?

US-Präsident George W. Bush hat diese Unsicherheit vor kurzem noch einmal gesteigert, indem er das Rennen um die Greenspan-Nachfolge wieder für offen erklären ließ. Bislang galten die drei Wirtschaftsprofessoren Martin Feldstein, Glenn Hubbard und Ben Bernanke als eindeutige Favoriten für den Chefposten bei der Fed. Bernanke ist extra als Wirtschaftsberater von Bush ins Weiße Haus gewechselt, um seine Chancen zu verbessern. Bush ließ jedoch durchblicken, dass er neben den drei Genannten noch weitere Kandidaten in Betracht ziehen will. Wieder im Rennen ist offenbar auch Lawrence Lindsey, vormals Fed-Gouverneur und ebenfalls Wirtschaftsberater im Weißen Haus. Bush hatte ihn jedoch gefeuert, nachdem er die Kosten für den Irak-Krieg auf 200 Milliarden Dollar geschätzt hatte. Heute ist diese Zahl längst übertroffen.

Lindsey gilt wie Hubbard als Verfechter niedriger Steuern, was ganz nach dem Geschmack von Bush sein dürfte. Auch Harvard-Professor Feldstein liegt mit seinen Vorschlägen zur Teilprivatisierung der staatlichen Rentenversicherung ganz auf der Linie des Präsidenten. Ihm hängt allerdings an, dass er bereits unter Ronald Reagan gegen ausufernde Haushaltsdefizite wetterte. Angesichts des aktuellen Budgetdefizits sehen viele in der Administration in ihm einen potenziellen Störenfried.

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