Fernseh-Duell
Bush schlägt zurück

Im Fernseh-Duell zwischen US-Präsident George W. Bush und dem demokratischen Herausforderer steht es 1:1. Nach seinem desaströsen Auftritt vor einer Woche konnte Bush beim Rückspiel in der Nacht zum Samstag punkten.

Von Kopf bis Fuß auf Angriff eingestellt, drängte der Präsident den Oppositions-Mann von Anfang an in die Defensive. Zwar bot Bush in der Sache nichts Neues: Er verteidigte den Irak-Krieg als Offensive gegen den Terror. Und er verkaufte seine massiven Steuer-Senkungen als Treibstoff für die Konjunktur. Doch immer wieder attackierte er Kerrys „linke“ Abstimmungs-Bilanz während seiner 20-jährigen Senats-Laufbahn.

„Steuer-Erhöhungen und eine aufgeblähte Staats-Bürokratie“, lautete der zentrale Vorwurf. Bush untermalte seine plakative Kritik mit einer aktiven Körpersprache. Kein Vergleich mit dem rhetorischen Leerlauf und der verpatzten Mimik vor einer Woche.

Kerry kam zwar souverän rüber und argumentierte stark. Gelegentlich wollte er jedoch zu viele Fakten unterbringen, was zu Lasten der Zuspitzung ging. Seinen besten Moment hatte er, als er Bushs Nein zum Import billiger Arzneimittel aus Kanada als „Kumpanei mit der Pharmazie-Industrie“ geißelte.

Kerry dürfte nach dem zweiten TV-Wettstreit seine Umfragewerte kaum verbessert haben. Er hat gegen Bush nur dann eine Chance, wenn er die Wahl zu einem Referendum über die Bilanz des Präsidenten macht. Dazu muss er Bush mit dessen eigenen Waffen schlagen: bedingungslos in die Offensive gehen und die Schwachstellen des Gegners pointiert zerpflücken. Gestern ist ihm dies nicht gelungen.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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