Fernsehduell
Schröder gegen Merkel: Der Zweikampf

Eigentlich hätte die Frage, wie viele Fernsehduelle die Wähler beglücken sollen, gar nicht erst diese Dimensionen annehmen dürfen. Nun hat allein schon die Frage nach der Zahl der gemeinsamen Fernsehauftritte von Kanzler und Kandidatin eine Eigendynamik gewonnen und ist zu einem separaten Wahlkampfthema geworden. Mit begrenztem Unterhaltungswert.

DÜSSELDORF. Dabei können sich Politiker nirgendwo sonst effektiver einem Millionenpublikum präsentieren als in einem TV-Duell. Und auch das öffentliche Interesse dürfte riesig sein: Immerhin 15 Millionen Zuschauer haben vor drei Jahren die beiden Fernsehauftritte des damaligen Unionsspitzenmannes Edmund Stoiber und Gerhard Schröders verfolgt. Dies wäre bei Angela Merkel kaum anders.

Was liegt also näher, als das Medium Fernsehen intensiv in einem Wahlkampf zu nutzen, der als der kürzeste in die Geschichte der Bundesrepublik eingehen wird. In gut sechs Wochen wissen wir bereits, wie der nächste Kanzler heißt.

Deshalb ist Angela Merkels Begründung, sie habe keine Zeit für ein zweites Fernsehduell mit Gerhard Schröder, auch wahlkampfstrategisch so wenig überzeugend. Ganz im Gegenteil: Merkels Zögern und Taktieren lässt sie auch nach der gestrigen Entscheidung ihrer "Sekundanten" und den Chefredakteuren der wichtigsten Fernsehsender nicht besonders gut dastehen. Sie hat öffentlich Schwäche gezeigt und ist in die politische Defensive geraten. Und das ist stets schlecht für jemanden, der doch eigentlich als Herausforderer in die Offensive gehen muss. Angela Merkel hat das Duell bereits verloren, bevor es überhaupt zum TV-Schlagabtausch gekommen ist. Und dieser Eindruck bleibt haften.

So verrät die eigentlich eher nebensächliche Frage, wie viele gemeinsame Fernsehauftritte es in diesem Wahlkampf geben sollte, ohne dass dies so geplant war, sehr viel über die Zögerlichkeiten der Union und ihrer Wahlkampfstrategen. Sie wollen möglichst jedes politische Risiko vermeiden und besonders dem Kanzler als Meister des öffentlichen Auftritts aus dem Weg gehen. Merkels wenig souveräner Umgang in diesere Frage wirft damit auch ein Schlaglicht auf die persönlichen Unsicherheiten der Spitzenkandidatin. Sie fürchtet sich, öffentlich Fehler zu machen.

Und diese sind schnell gemacht. Die Verwechslung von "brutto" und "netto" im Sommerinterview der ARD-Sendung "Bericht aus Bonn" und der gleiche Fehler in einem Interview mit der "Bunten" sind so ein Lapsus, der ihr nun unterlaufen ist. In beiden Fällen ging es um die Auswirkungen der von der Union geplanten Senkung der Lohnzusatzkosten. Die zweimalige Korrektur des Sommerinterviews auf der Homepage der CDU im Internet zeigt zudem, wie schnell mit einer gut gemeinten Korrektur nur noch mehr politisches Unheil angerichtet werden kann.

Das mögen alles Kleinigkeiten sein, die der Wähler bereits morgen wieder vergessen haben mag. Doch man täusche sich nicht: Eine solche Verwechslung von "brutto" und "netto" hat schon einmal Rudolf Scharping als Kanzlerkandidat im Jahr 1994 politisch beinahe das Genick gebrochen. Damals ging es um die von der SPD geplante Ergänzungsabgabe.

Die Zögerlichkeiten und Unsicherheiten Angela Merkels im direkten Umgang mit dem Kanzler passen überdies wenig zum früher immer wieder geäußerten Selbstbewusstsein der Kanzlerkandidatin. Mit einem Wahlkampf der Ideen und Konzepte wollte sie ursprünglich den Bundeskanzler überall dort stellen, wo Gerhard Schröder - in der Überlegung von CDU-Wahlkampfstrategen - durch seinen Amtsbonus viel lieber auf Showeinlagen setzt und sich in wolkige Ankündigungen flüchtet.

Genau darin, in der politisch sachlichen Auseinandersetzung, liegt denn auch Angela Merkels einzige Chance, dem Medienprofi Schröder öffentlich Paroli bieten zu können. Da aber hat das Bild, das die Unionschefin von sich und ihrer Partei in letzter Zeit zu zeichnen versucht, etliche Schrammen erhalten. Angefangen von der angekündigten Erhöhung der Mehrwertsteuer über die Frage der Haushaltssanierung bis hin zum personellen Tableau ihrer Regierungsmannschaft - überall zeigt sich, dass die Konzepte der Union entweder in der eigenen Partei und einer möglichen schwarz-gelben Koalition heiß umstritten oder noch völlig unklar sind.

Viele Unentschlossene würden sich aber durchaus gerne eine eigene Meinung bilden, die sich keineswegs allein an der Professionalität des öffentlichen Auftritts orientiert, sondern an den Argumenten der Kandidaten. Denn das Tauziehen um gemeinsame Fernsehauftritte sollte den Blick auf eines nicht verstellen: Die meisten Bürger würden es viel lieber sehen, wenn sich die Politiker mit den wirklich wichtigen Problemen in Deutschland auseinander setzen würden. Die Unsicherheiten Merkels im Umgang mit dem Kanzler passen wenig zu ihrem früheren Selbstbewusstsein.

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