Finanzbranche
Banken: Arm und reich zugleich

Wir steuern auf eine Kreditklemme zu, obwohl die Banken im Geld schwimmen. Die Geldhäuser werden Mühe haben, ihren Kunden das zu erklären.
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Die Banken laufen Gefahr, spätestens im Herbst wieder als die großen Unverstandenen dazustehen. Denn sie werden von der Europäischen Zentralbank (EZB) mit Liquidität im Rekordvolumen zugeschüttet - erstmals auch mit einer Laufzeit von einem Jahr. Weil diese Mittel sehr billig sind und die Kreditzinsen - verglichen mit der Zeit vor der Finanzkrise - wieder ein auskömmliches Niveau erreicht haben, dürfte die Branche sehr gut verdienen an dieser wunderbaren Geldschwemme. Dennoch zeichnet sich aber für die kommenden Monate eine Kreditklemme ab. Wie passt das zusammen?

Schuld an dem scheinbaren Widerspruch ist der feine Unterschied zwischen Liquidität - also Geld für den Moment - und Kapital - also Geld, das der Bank für unbegrenzte Zeit zur Verfügung steht. Die EZB kann zwar reichlich Liquidität liefern und tut das auch seit Beginn der Krise. Aber sie stellt kein Kapital zur Verfügung. Wenn aber den Firmenkunden der Banken nach den Auftragspolstern und den Umsätzen auch noch die Gewinne wegschmelzen, sinkt ihre Kreditwürdigkeit. Und dann müssen die Banken die Firmenkredite mit mehr Kapital unterlegen - und das fehlt ihnen trotz der Großzügigkeit der Notenbank.

Kapital können sie entweder an der Börse aufnehmen, sofern sie Aktiengesellschaften sind. Das werden sie nur tun, wenn die Kurse hoch genug sind und ihre finanzielle Situation stabil ist. Ansonsten bleibt als Helfer in der Kapitalnot nur der Staat. Entweder, indem er als Eigentümer einsteigt. Oder, indem er den Banken angefaulte Kredite oder Wertpapiere abnimmt, sie in eine "Bad Bank" steckt und so Freiraum für neue Kredite schafft.

Die Frage ist allerdings, ob die Bad-Bank-Modelle, die die Bundesregierung vorgestellt hat, tatsächlich genutzt werden. Bisher sind die Reaktionen aus der Branche sehr zurückhaltend. Teils aus Rücksicht auf den Steuerzahler, teils auf Druck der EU-Kommission sind diese Konzepte nicht eben attraktiv ausgefallen. Daher kann es sein, dass die Banken sie gar nicht nutzen und im Herbst dann immer deutlicher zwar jede Menge Geld, aber trotzdem zu wenig Kapital haben. Sie können sich jetzt schon einmal darauf einstellen, dass diese Situation in der Öffentlichkeit niemand versteht und die Politiker auch nach dem Ende der Wahlkämpfe die Gelegenheit nutzen werden, die Branche zu beschimpfen.

Besser wäre es, Politik und Banken würden sich aufeinander zubewegen. Das hieße: Die Politik sollte die Bad-Bank-Konzepte verbessern, die Banken sollten sie dann aber auch beherzt nutzen.

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