Finanzbranche
Die Banken haben nichts gelernt

Der internationale Branchenverband IIF macht Vorschläge zum Schutz vor künftigen Finanzkrisen. Doch Substanz haben sie nicht.
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Die Politiker der G20-Länder beraten Anfang April in London über eine neue Weltfinanzordnung. Und was haben die Banken dazu zu sagen? Nicht viel, gemessen an der Empfehlungsliste, die der internationale Großbankenverband IIF, dessen Präsident Josef Ackermann ist, für dieses Treffen formuliert hat.

Die Finanzbranche betont darin zwar ihre Verantwortung, kündigt aber keinen vertrauensbildenden Eigenbeitrag zur Lösung der Krise an. Sie sieht sich sogar eher in der Opferrolle und sagt, dass sie ohne staatliche Hilfe keine Kredite mehr geben kann. Ihre Forderung, die Branche von der Last der "toxischen" Wertpapiere zu befreien, hat erpresserische Züge. Und sie bringt keinen einzigen neuen oder originellen Vorschlag, wie sie selbst zur Lösung der Probleme beitragen könnte. Kurz gesagt: Die Banken haben, gemessen an ihren eigenen Vorschlägen, offenbar nichts dazugelernt.

Besonders bedenklich ist der Vorschlag, eine "Private Sector Monitoring Group" einzurichten, die ein Frühwarnsystem sein soll. Wer auf die vorgeschlagene Besetzungsliste schaut, findet jede Menge Namen von Leuten wieder, die gerade für die Fehlentwicklungen der letzten Jahre stehen. Allen voran ist hier der 80-jährige Co-Vorsitzende Jacques de Larosière zu nennen, der als Berater des heute schwer angeschlagenen Versicherungsriesen AIG offenbar von dessen zweifelhaften Geschäften nichts mitbekommen hatte. Ähnlich haben sich William Rhodes bei der Citibank und Philips Lofts bei UBS nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Und Malcolm Knight, der ehemalige Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, gilt als einer der Vorkämpfer der Wall Street für die Deregulierung der Branche und den Aufbau eines ganzen Systems von weitgehend unbeaufsichtigten Schattenbanken. Die Welt soll also ausgerechnet von dem Personal gerettet werden, das sie zuvor in den Abgrund geritten hat.

Letztlich muss man die Stellungnahme als dringenden Hilferuf des IIF an die Politik verstehen, die Banken noch mehr zu entlasten, damit sie einigermaßen über die Runden kommen. Wenn es um konkrete Vorschläge zur Regulierung der Finanzmärkte geht, werden lediglich Teile der aktuellen Diskussion wiederholt. In Ton und Substanz machen die Großen der Finanzbranche so weiter, als ob es nicht in ihren weltweit agierenden Konzernen, im Wesentlichen durch eigenes Verschulden, den Gau der Finanzgeschichte mit horrenden Schäden für die reale Weltwirtschaft gegeben habe.

Der IIF, der seit mehr als einem Vierteljahrhundert die Branche vertritt, hatte früher erhebliches Gewicht in der Politik und in der Öffentlichkeit. Das ist vorbei.

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