Finanzinvestoren
Lockruf der Börse

Jahrelang haben private Finanzinvestoren gegen die Nachteile börsennotierter Unternehmen gewettert. Von Überregulierung, vom Abwürgen des Unternehmergeistes und der Tyrannei der Quartalsergebnisse war die Rede. „Going private“ war „in“ und bescherte der Private-Equity-Branche einen ungeahnten Boom. Ein Viertel aller Fusionen und Firmenübernahmen in den USA geht inzwischen auf das Konto privater Finanzinvestoren. Und jetzt, auf dem Höhepunkt dieses Booms, bereitet mit Blackstone einer der weltweit Größten seines Faches einen Börsengang vor. Der Vorstoß könnte eine Welle von Neuemissionen aus dem Private-Equity-Lager auslösen.

Für diesen überraschenden Sinneswandel gibt es handfeste Gründe. Zum einen nähert sich der Boom im Private-Equity-Geschäft seinem Ende. Die Zeiten, da billige Liquidität im Überfluss vorhanden ist, können nicht ewig andauern. Das wissen auch die smarten Finanzinvestoren und sorgen vor. Ein Börsengang verschafft ihnen auf einen Schlag wertvolles Kapital, das sie sonst mühsam bei ihren Anlegern einsammeln müssten. Zum anderen können die Gründer von Blackstone & Co die Ernte ihrer Aufbauarbeit einfahren. Manager wie der Blackstone-Chef Stephen Schwarzman würden durch einen Börsengang noch reicher.

Der Lockruf der Börse hat jedoch seinen Preis. Vorbei ist es mit der bisherigen Heimlichtuerei der Branche. Nicht nur die Gehälter der Manager, auch die Gebühren kommen auf den Tisch, die Buy-out-Firmen ihren Unternehmen und Investoren abknöpfen. Dann wird sich zeigen, ob die Dienste der Finanzinvestoren ihr Geld wirklich wert sind. Auf jeden Fall dürfte es Blackstone & Co künftig schwerer fallen, andere Unternehmen von den Vorzügen eines „going private“ zu überzeugen

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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