FINANZINVESTOREN
Schuss vor den Bug

Blackstone-Chef Stephen Schwarzman war gerade im New Yorker Pierre Hotel dabei, einem ausgewählten Kreis von 600 Investoren die Zukunft seiner Buy-out-Firma in goldenen Farben auszumalen.
  • 0

Da erreichte ihn ein Anruf aus Washington: Die beiden einflussreichen US-Senatoren Max Baucus und Charles Grassley hatten einen parteiübergreifenden Gesetzentwurf eingebracht, der die Börsenpläne der Blackstone Group kurz vor der Ziellinie ins Wanken bringt. Die Politiker drängen darauf, dass Buy-out-Firmen und Hedge-Fonds genauso hoch besteuert werden wie alle anderen börsennotierten Unternehmen.

Für Blackstone würde sich damit die Steuerlast mehr als verdoppeln – und der Börsenwert möglicherweise um bis zu 20 Prozent vermindern. Bislang zahlt die als Partnerschaft strukturierte Firma einen reduzierten Steuersatz von 15 Prozent, während börsennotierte Investmentbanken wie Goldman Sachs 35 Prozent ihres Gewinns an den Fiskus abführen müssen. Begründet wurde der Steuervorteil damit, dass es sich bei den Einnahmen der privaten Finanzinvestoren um förderungswürdige Kapitalgewinne kleiner Partnerschaften handelt. Auf diese Weise versuchen viele Länder, den Unternehmergeist anzuspornen und mehr Risikokapital zu generieren. Inzwischen streichen die Private-Equity-Gesellschaften jedoch jedes Jahr Gebühren in Milliardenhöhe ein und sind von den klassischen Investmentbanken an der Wall Street kaum noch zu unterscheiden.

Der ökonomische Streit dreht sich darum, ob die Begründung für den Steuervorteil heute noch stichhaltig ist. Die Buy-out-Könige beharren darauf, dass sie durch ihre Firmenübernahmen ein erhebliches unternehmerisches Risiko tragen, das eine bevorzugte Behandlung rechtfertige. Die US-Senatoren weisen dagegen darauf hin, dass die Milliardengewinne der Private-Equity-Firmen einem lukrativen Gebührenmodell entspringen. So kassiert die Branche jedes Jahr von ihren Investoren zwischen 1,5 und zwei Prozent des verwalteten Vermögens, ohne dass sie dafür einen Finger krumm machen muss. Hinzu kommt eine Beteiligung von 20 Prozent an den Veräußerungsgewinnen der zuvor aufgekauften Firmen. Auch hierbei ist das unternehmerische Risiko ziemlich begrenzt. Die Buy-out-Firmen können schlimmstenfalls leer ausgehen.

Die so genannten „Carried interest“- Gewinne der Finanzinvestoren gleichen deshalb mehr dem üblichen Einkommen einer Investmentbank und sollten deshalb auch so besteuert werden. Es ist ein ökonomisches Unding, dass Goldman Sachs seine Gewinne mit mehr als 30 Prozent versteuern muss, während Blackstone weniger als die Hälfte zahlt. Zumal Blackstone-Chef Schwarzman ganz bewusst versucht, das Geschäftsmodell der Nummer eins an der Wall Street zu imitieren.

Die Steuerdebatte ist nicht auf die Unternehmen beschränkt. Sie findet ihre Fortsetzung bei der persönlichen Besteuerung der Buy-out-Könige. Auch hier geht es um die Frage, ob die Investitionsgewinne einem begünstigten Steuersatz unterliegen sollen oder wie das übliche Einkommen versteuert werden müssen. Hier wird der Streit in Großbritannien besonders hitzig geführt. Müssen doch die Finanzmanager dort nur zehn Prozent auf ihre „carried interest“ abführen, während das Einkommen der meisten Briten mit bis zu 40 Prozent besteuert wird. Es sei eine Schande, räumte kürzlich selbst ein Finanzinvestor ein, dass eine Putzfrau höher besteuert werde als ein Buy-out-Künstler.

Dass die Finanzinvestoren überhaupt zur politischen Zielscheibe geworden sind, haben sie sich weitgehend selbst zuzuschreiben, weil sie ihren enormen Reichtum durch verschwenderische Partys offen zur Schau stellen. Der Blackstone-Chef könnte durch den Börsengang weitere 677 Mill. Dollar bar in seine Privatkasse bekommen. Die Debatten in den USA und Großbritannien dürften auch die Diskussion in Deutschland neu beleben. Während das Bundesfinanzministerium die Veräußerungsgewinne der Finanzinvestoren mit einer Abgeltungsteuer von 25 Prozent belegen will, drängt das Wirtschaftsministerium darauf, sie nicht durch einen international hohen Steuersatz abzuschrecken.

Der Gesetzesvorstoß im US-Senat ist der erste ernsthafte Versuch in Amerika, die finanzielle Macht der Buy-out-Könige einzuschränken. Das Risiko für die Branche und für den von ihr getriebenen Übernahmeboom sollte man nicht unterschätzen. Andere Börsenaspiraten dürften ihre Pläne jetzt überdenken. Auf die Frage, welches Ereignis dem Buy-out-Boom vermutlich ein Ende setzen wird, antwortete der Chef einer großen Beteiligungsfirma: „Am wahrscheinlichsten ist es, dass Regierungen unsere Branche mit neuen Regeln überziehen und so die goldenen Zeiten beenden.“

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

Kommentare zu " FINANZINVESTOREN: Schuss vor den Bug"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%