Finanzinvestoren
Schwierige Balance

Wir erinnern uns noch schwach: Im Frühjahr 2005 gerieten die Finanzinvestoren hier zu Lande unter die politischen Räder. Damals hatte es das Private-Equity-Haus Texas Pacific Group beim Badarmaturenhersteller Grohe etwas zu bunt getrieben. Die Strategie, vor allem über einen Stellenabbau die Rendite zu treiben, war dem damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering auf die Füße gefallen.

Er stigmatisierte mit der großen Handbewegung gleich die ganze Branche als „Heuschrecken“, die über die Unternehmen herfallen, sie abgrasen und dann weiterziehen. Seither kämpft die Beteiligungsbranche gegen das Image, hier flögen Deal-Maker aus New York und London mal eben ein, um „quick and dirty“ das große Geld zu machen – ohne Rücksicht auf die Belegschaften. Gestern hörte man nun ganz andere Töne. Ausgerechnet die Betriebsräte von Linde sollen jetzt ein Konzept von Goldman Sachs und Kohlberg Kravis Roberts für ihre Gabelstapler als wachstumsorientiert und zukunftsweisend gelobt haben. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Haben die Finanzinvestoren jetzt ihre soziale Ader entdeckt? Wandeln sich die Renditejäger vom Saulus zum Paulus?

Die Antwort ist ein knallhartes „Jein“. Der weltweite Beteiligungsmarkt ist heute so differenziert wie noch nie zuvor. Es gibt Fonds, die auch in Zukunft auf eine reine Finanzakrobatik setzen. Sie werden von den spottbilligen Kreditfinanzierungen der Investmentbanken geradezu verführt, immer mehr Fremdkapital bei den Transaktionen einzusetzen. Bei ihnen ist die Haltedauer der Firmen in ihrem Besitz eher kurz, rund ein bis zwei Jahre. Und nicht selten reichen sie ihre Investments in einem „secondary deal“ zu einem höheren Preis an den nächsten Finanzinvestor weiter. Der muss dann noch mehr Schulden auftürmen, um möglichst wenig von seinem kostbaren Eigenkapital einzusetzen. Hier spielen die Arbeitnehmerinteressen eher eine untergeordnete Rolle.

Am anderen Ende der Private-Equity-Branche sind jene Häuser, die vor allem mit dem Wachstum ihrer Investments und dem Stellenaufbau punkten wollen. An die Stelle eines monolithischen Marktes, wie es ihn vielleicht vor 15 oder 20 Jahren gab, sind heute so die unterschiedlichsten Strategien getreten.Allerdings gibt es im gesamten Markt auch eine Art „Grundrauschen“, auf das alle Finanzinvestoren in den vergangenen Monaten zunehmend reagieren. Nicht nur in Deutschland, wo ein Private-Equity-Gesetz in Arbeit ist, sondern weltweit sind Beteiligungsmanager in die Visiere der Politik, Aufsichtsbehörden und sogar der Kartellwächter geraten. Die Branche ist zusammen mit den Hedge-Fonds zu einer derartigen Macht aufgestiegen, dass ihr Geschäftsgebaren jetzt genauer unter die Lupe genommen wird. Deshalb ist es nur zu verständlich, dass soziale und volkswirtschaftliche Aspekte auf einmal auch eine Rolle spielen, was noch vor Jahren noch undenkbar war. Ein bisschen Kalkül ist natürlich auch dabei, schließlich wollen sich die Finanzinvestoren bei der künftigen Privatisierung von Infrastruktur-Unternehmen ein möglichst großes Stück vom Kuchen abschneiden. Wer dabei nur auf ausgebrannte Firmen im Portfolio verweisen kann, hat keine guten Karten.

So werden die Private-Equity-Manager in Zukunft stärker ihr „Verantwortungsbewusstsein“ in den Vordergrund rücken. Aber wenn sie ehrlich sind, werden sie auch immer den Renditedruck zugeben, der ihnen im Nacken sitzt. Denn die gesamte Branche lebt vom Mittelzufluss aus den Taschen der institutionellen Investoren. Und die global analysierenden Manager der Pensionskassen und Stiftungen kennen das Metier ganz genau. Sie wollen eine Verzinsung sehen, die mindestens fünf Prozentpunkte über der auf den Aktien- und Rentenmärkten liegt, und dürfen und wollen dabei keine Kompromisse machen.Während die Geldgeber für Private Equity mit ihren Vorgaben in der Regel anonym und im Hintergrund bleiben, müssen die Finanzinvestoren ihre Strategien zunehmend in der Öffentlichkeit verteidigen und ihre „Sozialfestigkeit“ unter Beweis stellen. Ob das „private“ Geschäftsmodell diesen Balanceakt verträgt, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall wird das Handeln für die Private-Equity-Manager in Zukunft nicht leichter.

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