Finanzkrise
Banken in der Pflicht

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Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Das ist das wichtigste Signal, das am Wochenende vom Treffen der sieben führenden Industrieländer ausgegangen ist. Gemeint sind damit die Banken, die durch Gier und Leichtsinn die akute Finanzkrise mit verursacht haben. Der verzweifelte Versuch des internationalen Bankenverbandes IIF, einen Feldzug der staatlichen Regulierer in letzter Minute durch ein „mea culpa“ mit angehängtem Besserungsgelöbnis zu verhindern, ist gescheitert. Die Branche muss sich jetzt auf eine strengere Finanzaufsicht einstellen.

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, hat sich die Finanzbranche weitgehend selbst zuzuschreiben. Die Salami-Taktik bei der Offenlegung der Kreditrisiken hat viel Vertrauen in die Banken zerstört. Dass auch IIF-Präsident Josef Ackermann zwischenzeitlich das Vertrauen in die Selbstheilungskräfte des Marktes verloren hatte, macht das Plädoyer der Banken für eine Selbstregulierung nicht gerade glaubwürdiger.

Hemdsärmelige Politiker wie Bundesfinanzminister Peer Steinbrück haben da leichtes Spiel: Der Markt hat uns die Suppe eingebrockt, jetzt muss die Politik sie auslöffeln. Wer will da widersprechen? Selbst liberale Wirtschaftswissenschaftler wie Allan Meltzer aus den USA räumen ein, dass das marktwirtschaftliche Finanzsystem nicht überleben kann, wenn Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden. Die Hoffnung der Banken, ihr stark mit dem Kredithebel arbeitendes Geschäftsmodell zu retten, wird sich nicht erfüllen. So vage die Vorschläge der G7 an vielen Stellen noch sind, bereits jetzt ist klar, dass die Kreditinstitute künftig weitaus mehr Eigenkapital einsetzen müssen, wenn sie hohe Risiken eingehen wollen. Damit ist unweigerlich verbunden, dass die Gewinnspielräume der Finanzbranche kleiner werden. Mehr als die Hälfte der Gewinne an der Wall Street seit 2003 haben Banken und Broker ihrer massiven Kreditaufnahme zu verdanken.

Wenn wir die Gefahr künftiger Spekulationsblasen verkleinern wollen, müssen wir hier Hand anlegen. Bankenvertreter behaupten, dass mit strikteren Kapitalvorschriften zugleich das Wachstumspotenzial der gesamten Wirtschaft verringert werde. Das Argument überzeugt nicht. Eine bessere Risikovorsorge der Banken sorgt für mehr Disziplin auf den Finanzmärkten. Risiken werden besser bewertet. Wenn die Preise für Kapital stärker ihrem fairen Marktwert entsprechen, wandert die knappe Ressource wirklich an die Stellen der Wirtschaft, wo sie am dringendsten gebraucht wird. Denn die aktuelle Finanzkrise hat die wohl größte Fehlallokation von Kapital seit Jahrzehnten offenbart.

Dennoch sollte man die Bereit-schaft der Banker nutzen, selbst Lehren aus der Finanzkrise zu ziehen. Kommt eine zentrale Schwäche des Finanzsystems in dem Aktionsplan der G7 doch zu kurz. Gemeint ist das interne Vergütungssystem der Finanzprofis. Alle sind sich einig, dass die Jagd nach dem schnellen Profit dringend gebremst werden muss. Der Bankenverband IIF hat bereits angekündigt, dass er die Anreize der Mitarbeiter künftig stärker an den langfristigen Geschäftserfolg koppeln will. Mit konkreten Maßnahmen könnten die Banken hier sehr schnell beweisen, dass sie es mit ihrem Besserungsgelöbnis wirklich ernst meinen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

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