Finanzkrise
Bankenkrise: Der Staat ist kein Wunderheiler

Die Beteiligung des Staates bei einer Privatbank ist in Deutschland ein Novum. Großbritannien ist da schon weiter. In London befinden sich seit Monaten erhebliche Anteile an Geldhäusern in staatlicher Hand, zum Beispiel an der Royal Bank of Scotland. Doch die Erfahrungen sind keineswegs durchweg positiv. Börsianer machen sich große Sorgen.
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Premierminister Gordon Brown hat es vorgemacht, jetzt zieht Angela Merkel nach. Großbritannien hat als erstes Land im Oktober ein 50 Mrd. Pfund schweres Rettungspaket für die schwer angeschlagenen heimischen Banken aufgelegt. Inzwischen, fast drei Monate später, hält der Staat die Mehrheit am einst zweitgrößten Institut des Landes, der Royal Bank of Scotland, und nach der Zwangsfusion der beiden Großbanken Lloyds TSB und HBOS werden der Regierung mehr als 40 Prozent an dem neuen Finanzriesen gehören.

An den Gedanken verstaatlichter Banken haben sich die Briten inzwischen gewöhnt, und das ist auch gut so, denn inzwischen ist hinter den Kulissen bereits die Rede, davon, dass die Institute noch mehr frisches Kapital brauchen, um die Löcher in ihren Bilanzen zu stopfen. Ein zweites Rettungspaket könnte bereits im Frühjahr auf der Agenda stehen und zu weiteren Verstaatlichungen führen.

Welche langfristigen Folgen wird das haben? Wie die Bundesregierung im Fall Commerzbank, haben auch Brown und seine Mannschaft versichert, dass sie sich nicht in das Tagesgeschäft der ganz- oder teilverstaatlichten Banken einmischen werden. Das Problem ist nur, dass das angesichts der sich immer weiter verschärfenden Kreditklemme keiner so recht glauben mag.

Wie wird die Labour-Regierung reagieren, wenn immer mehr britische Sparer ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen können? Kann es sich Brown wirklich leisten, dass Banken, an denen der Staat beteiligt ist, massenhaft Familien mit Pfändungsbeschlüssen aus ihren Häusern vertreiben?

Außerdem fürchten einige Analysten, dass die Regierung die Banken zwingen wird, sich stärker auf den Heimatmarkt zu konzentrieren, und sich von Aktivitäten im Ausland zu trennen. Schließlich sitzen die Wähler, die unter der Finanzkrise leiden, in Großbritannien und nicht in China oder den USA.

Doch das wirklich drängende Problem ist ein anderes: Trotz hunderter Milliarden Pfund an Liquiditätshilfen und den direkten Beteiligungen hat sich an der Kreditklemme auf der Insel noch nichts geändert.

Daran hat auch massiver Druck der Regierung auf die Banken endlich mehr Geld zu verleihen nichts geändert. Die Institute halten sich zurück, und das ist aus ihrer Sicht nur rational, schließlich müssen sie nach den Exzessen der vergangenen Jahre massiv Risiken abbauen.

Mit seinen Kapitalspritzen hat der britische Staat zwar das Finanzsystem vor dem Kollaps gerettet, aber das heißt noch lange nicht, dass die Banken wieder ihre Aufgabe erfüllen. Im Moment sieht es so aus, als müssten Brown und seine Kollegen zu unkonventionelleren Mitteln greifen. In den USA verleiht die Notenbank inzwischen mehr oder weniger direkt Geld an die Wirtschaft. Das könnte ein Vorbild für Großbritannien sein, und vielleicht auch schon bald für die Europäische Zentralbank und für Deutschland.

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